Geschichte

Lichtspieltheater Königsbrück

1912 - Erstes ständige Lichtspieltheater
Heute möchte ich an ein besonderes Jubiläum erinnern, dass bei vielen älteren Königsbrücker Bürgern sicher schöne Erinnerungen wecken wird – unser altes Kino.
Schon seit 1907 gab es laut Gewerberegister in Königsbrück in regelmäßigen Abständen kinematographische Aufführungen. Als Vorführungsraum diente damals der Saal des Gasthofes zum „Goldenen Hirsch". Im Jahre 1912 richtete der Dresdner, Karl Mucka dort ein ständiges Lichtspielhaus ein und eröffnete es am 9. November 1912.
Dieses wurde in der Westlausitzer Zeitung" mit folgenden Anzeigen bekannt gegeben:

„Ein ständiges Lichtspielhaus wird am kommenden Sonnabend in Königsbrück seine Pforten öffnen. Der Saal des „Gasthofs zum Hirsch" ist vergrößert und zu einem schönen Kinolokal umgewandelt worden. Der in ruhigen, warmen Farben gehaltene Raum macht einen behaglichen Eindruck und die Besucher werden sich bestimmt recht wohl fühlen. usw."

Lichtspieltheater - Anzeige „WZ" vom 9.11.1912

und
„ Das Eröffnungsprogramm des ersten ständigen Lichtspielhauses im Gasthof zum Hirsch enthält eine überaus reiche Fülle der prächtigsten Bilder kinomatographischer Darstellungskunst. Malerische Landschaftsaufnahmen wechseln ab mit fesselnden dramatischen Motiven, und auch der köstliche Humor gelangt in vollstem Maße zu seinem Rechte. Die Vorstellungen versprechen eine recht angenehme Unterhaltung zu werden. Ein Besuch der Vorstellung kann deshalb Freunden guter kinomatographischer Darbietungen empfohlen werden. Der Eintritt zu den Vorstellungen kann fortgesetzt vor sich gehen, da ununterbrochen gespielt wird. An eine bestimmte Zeit des Kommens ist man nicht gebunden."

Ein Regulativ über kinematographische Vorführungen wurde im Jahre 1913 im Kamenzer Tageblatt vom 02.11.1913 Nr. 255 veröffentlicht. Darin heißt es:
„Zur Verhütung von Gefährdungen der Bevölkerung, ins besondere der Jugend durch die Vorführung kinematographischer Darstellungen ordnet die Königliche Amtshauptmannschaft an: z.B. in
§. 1.
Kinematographische Bilder einschließlich der begleitenden Worte dürfen in öffentlichen Schaustellungen nur vorgeführt werden, nachdem sie auf ihre Unbedenklichkeit hin geprüft und für einwandfrei befunden wurden sind.
§. 2
Mindestens am Tage vor der ersten Aufführung, damit die erforderliche Prüfung vorgenommen werden kann, sind die Titel, etwaige Untertitel, Bilder usw. bei der Ortspolizeibehörde einzureichen (Stadtrat, Bürgermeister Gutsvorsteher). Zur Begutachtung können der Schuldirektor, Lehrer hinzugezogen werden. usw.

Der Königsbrücker Bürgermeister Leßmann teilte demzufolge der Königl. Amtshauptmannschaft 1913 mit: „Die Bilder und Texte der kinematographischen Vorführungen werden von mir geprüft, für Jugendvorstellungen gemeinsam mit dem Schuldirektor und dem Lehrerkollegium." 1916 übernahm diese Aufgabe der Rechtsanwalt Hempel.

Im Jahre 1915 war das Kinematographentheater im Hirsch zeitweise geschlossen, weil die vorhandenen Vorrichtungen nicht in genügender Weise mehr den Anforderungen entsprachen. Deshalb fanden auch im Hotel „Schwarzer Adler" kinematographische Vorstellungen statt. Der Saal diente als Zuschauerraum und auf der Galerie wurde ein Eisenblechhäuschen als Apparateraum aufgestellt.
Von 1918 bis ca. 1927 hatte Königsbrück laut eines Berichtes zwei Kinematographentheater. Die Vorstellungen wurden infolge der starken Belegung des TÜP auch vorwiegend von Militärpersonen und deren Gästen besucht.
Karl Mucka verkaufte 1918 das ständige Lichtspielhaus an die Witwe Frau Auguste Lina Führlich, Besitzerin des Gasthauses „Goldener Hirsch". Führlich baute im Jahre 1925 den Kinosaal vollständig um. Neuer Fußboden und neue Dampfheizung wurden gelegt, die Sitzplatzzahl von 160 auf 260 erhöht, wobei ledergepolsterte Klappstühle angeschafft und die Decke mit Stuckverzierungen versehen wurden. Der Besitzer ließ es sich angelegen sein, mit den filmtechnischen Erneuerungen jederzeit Schritt zu halten.

So wurde schon im Jahre 1930 eine Tonfimlanlage eingebaut und der erste Tonfilm „Zwei Herzen im ¾ Takt" war ein großer Erfolg. 1933 Erneuerung des Lichttongerätes, wodurch man eine gute Tonwiedergabe erreichte. Durch regelmäßige Kontrollen wurden immer wieder einige Mängel im Vorführungs- und Zuschauerraum festgestellt und beseitigt.

1947 erfolgte der Umbau der Gaststätte zur Sparkasse, das Kino aber blieb bestehen.

1947 erfolgte der Umbau der Gaststätte zur Sparkasse, das Kino aber blieb bestehen. In einem Bericht vom 24.9. 1957 heißt es: „ Seit Jahren werden Anstrengungen unternommen, um ein neues Objekt für diesen Zweck zu erhalten. Schwierigkeiten bereiteten im wesentlichen die Finanzfrage. Die Feuerschutz- und Baupolizei hat mehrmals Beanstandungen, die sogar einmal zur Schließung des Kinos führen sollten, festgestellt. Vor ca. 2 Jahren wurden die Sitzplätze verändert und auch in diesem Jahre ist eine vollkommene Renovierung unternommen wurden. Nach wie vor bleibt das Lichtspieltheater in Königsbrück mit seinen ca. 250 Plätzen ein unzureichendes Objekt. (St.Gem. 24.9.1957 Protokoll- Bericht)

Wegen Baufälligkeit wurde dann aber das Lichtspielhaus ab 2. Januar 1961 geschlossen und in der Stadtgemeinderatssitzung vom 4.12.1962 der Abbruch des Kinosaales beschlossen.

Von Abbruch desw Lichtspielhauses im Jahre 1966 sind vom Fotograf Schmidt noch einige Bilddokumente erhalten.

Von diesem Abbruch im Jahre 1966 sind vom Fotograf Schmidt noch einige Bilddokumente erhalten. Fotograf: Walter Schmidt

An dieser Stelle erbaute man ein Wohnhaus, das im Jahre 1968 seiner Bestimmung übergeben wurde.

K. Kühne

Quellen: Stadtarchiv
- Akten des Stadtrats zu Königsbrück Kinematographische Vorführungen
Abtlg. XII Abschnitt: V Nr. 82 von 1913 - 1936
- „WZ" von 1912 bis 1938
- Gemeinderats-Protokolle vom 6.12.1960 und 14.5.1963

Für die Bereitstellung von Schriftstücken usw. bedanke ich mich recht herzlich bei Frau Steckel.

Die „Bader-Brücke" in Königsbrück

Baderbrücke Königsbrück undatiertDie Bedeutung der Brücke über die Pulsnitz ist nur im Zusammenhang mit der Landesgeschichte Sachsens zu verstehen. Als im Jahre 1168 im Erzgebirge die ersten Silbervorkommen entdeckt wurden, begann Markgraf Otto von Meißen den Bergbau zu entwickeln und die Stadt Freiberg anzulegen.

Im Zuge dieser Entwicklung verlegte er sein Machtzentrum von Meißen nach Dresden.
Zum Warenaustausch war zwangsläufig die Schaffung eines Weges von der Freiberger Mulde zur Elbe und weiter nach Norden zur Pulsnitz beim heutigen Städtchen Königsbrück verbunden.
Zur Elbquerung wurde eine großzügige steinerne Brücke gebaut. Die Pulsnitz war nur über eine hölzerne, offensichtlich einbogige Brücke zu überqueren.

Von alters her oblag es der Königsbrücker Schlossherrschaft für die Sicherheit des Verkehrs auf dem Wege durch die Dresdner- und Laußnitzer Heide zu sorgen. Dafür hatten sie das Recht in Dresden an der Brücke und am Pulsnitzübergang einen Geleit- und Brückenzoll zu erheben.

Im Laufe des zunehmenden Verkehrs von Nürnberg – Freiberg – Dresden nach Frankfurt /Oder machte sich der Neubau einer neuen steinernen Brücke erforderlich.

Der seit 1547 Königsbrück besitzende Burggraf Christoph von Dohna ließ 1558 diese neue Brücke erbauen und die Strassen verbessern.
Sigel von 1437 mit Bader BrückeDas war ein wesentlicher Fortschritt zur Verkehrserschließung unserer Heimat, zumal diese neue Straße hier die uralte „via regia" querte.

Eine Urkunde von 1437 zeigt die Brücke über die Pulsnitz mit nur einem Brückenbogen.

Die Grundsteinlegung war am 11. Juli 1558.

Die Brücke ist ein in Granitbruchstein gemauertes schlichtes Bauwerk mit 3 Rundbogentonnen als Öffnungen und zwei runden Vorköpfen vor den Pfeilern.

Über den einen an der Ostseite befindet sich eine Sandsteintafel (70x139) mit der Aufschrift:

Bader Brücke SandsteintafelDer . Wohlgeborene . vnd . edle . Her .
Her . Christof. Bvrggraf . von Dhonen .
Her . avf. Konigsbrvgk . und . des Marg .
grafftvmbs . Oberlavsicz . Land voigd .
zc . avf . seiner . Gnaden . schaffen . vnd . zcvtv .
en . ist . diese . Brvkke . erbavet. worden . haben .
seine . Gnaden . mit . iren . Händen . den .
ersten . Grvndstein . gelegt . den . Montag .
nach . Kiliani . welches . ist . der . eilfte . Tag .
des . Monats . Ivliiu . im . 1.5.5.8 . Jar .

Den oberen Abschluss bilden je eine Valute, dazwischen in einem Kreisfeld das Wappen der Burggrafen von Dohna mit den beiden Hirschstangen.
Die untere Platte begrenzt je eine Ranke, dazwischen in einem Kreisfelde das Steinmetzzeichen, bez. N.L. (vermutlich ein Nikolaus Lucke)

Christoph von Schellendorff ließ 1640 (Michael) oder 1651 (Kirchengalerie) neben die alte Brücke ein Bad bauen. Wonach diese den noch heute üblichen Namen „Baderbrücke" erhielt.

In den letzten Novembertagen 1724 bekam die Stadt zwei große Post- und Distanzsäulen. Eine stand vor dem Schmorkauer Tor (auch „Hoyerswerdaer Tor") an der Weißbacher Str. / Ecke Louisenstr. und die andere unmittelbar nach der Baderbrücke in Richtung Dresden.

1865 ließ die Staatsregierung durch den Amtsmaurermeister Reinhardt die Fahrbahn der Baderbrücke verbreitern. Die steinerne Brüstung wurde entfernt und durch Kragsteine ein Fußweg angelegt. Schmiedemeister Jank aus der Stadt versah die Brücke mit einem eisernem Geländer.

Bader Brücke nach 1865 undatiert
1945 bereitete in Königsbrück die abziehende Wehrmacht unter dem Kommando von Schörner, die Sprengung der Brücken vor. Dies konnten sie aber aus Zeitgründen nicht mehr ausführen.
Am 05.05.45 gegen 19.00 Uhr wurden von zwei jungen Nazis aus der Stadt die Brücken gesprengt. Dies waren die Baderbrücke, die Brücke an der Schlossmühle, an der Großenhainer und an der Kamenzer Straße.
Bis 1946 waren alle Brücken (außer der Brücke Kamenzer Straße) wieder hergerichtet.
Vom 20. August bis zum 1. Dezember 1945 erfolgte der Aufbau der massiven, 16 m langen und 10 m breiten Baderbrücke. Die Kosten beliefen sich dabei auf 31.585 RM. Den Auftrag zur Wiederherstellung der Inschrifttafel bekam Bildhauermeister Otto Beyer, der jedoch aus Krankheitsgründen dieses nicht ausführen konnte.

1954 wird auf Initiative von Herrn Heinz Kubasch die zerstörte Gedenktafel an der Baderbrücke erneuert. Steinbildhauermeister Rudolf Kreische fertigte die Inschrifttafel an.

2008 Am 11. Juli wird aus Anlass der 450jährigen Erbauung ein Brückenfest gefeiert. In Vorbereitung dessen wurde von Steinbildhauermeister Eckehard Kreische die verwitterte Gedenktafel von 1954 nach dem Original wiederhergestellt.
Im September wird die 2. Tafel mit der Inschrift „Verbreitert 1865 + zerstört und wiedererrichtet 1945" eingefügt.

Bader-Brücke vor 1945 Bader Brücke 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

© zusammengetragen mit dankenswerter Unterstützung von Familie Kubasch, J. Klotzsche, W. Lindner und dem Bürgermeister J. Loeschke
2008 Stadtarchiv Königsbrück, U. Steckel

Der Nachtwächter von Königsbrück

So wie in vielen anderen Städten, gab es auch einen Nachtwächter in unserer Stadt. Wenn abends in den Häusern allmählich die Lichter verlöschten und kein Mensch mehr auf den Gassen zu sehen war, da waltete nur der Nachtwächter mit Horn und Spieß angetan, die flackernde Laterne vor sich haltend, mit gewohnter Sorgfalt seines wichtigen Amtes und singend tönte sein Mahnruf durch die Häuserreihen:

„Hört ihr Leut und laßt euch sagen
die Glock hat 10 geschlagen,
bewahrt das Feuer und auch das Licht;
damit niemand kein Schad geschischt!
Lobet, Gott den Herren"

Nachtwächter in Königsbrück

Postkarte: Erschienen 1912 im Verlag von Reinhard & Sohn, Dresden

Im Stadtarchiv befinden sich ab dem Jahre 1667 alte Stadtrechnungen und verschiedene
Berichte über den Nachtwächter. Vor dem sind keine Akten vorhanden, da sie bei den Stadtbränden mit verloren gegangen sind. Der erste namentlich bekannte Nachtwächter, der nachweisbar von der Stadt besoldet wurde, hieß Christian Rabianes.
Unter: "Außgabe Geldt an Dieners Besoldung" von 1670/71 ist zu lesen:
12 Th.12 gr. „Diesem Nachtwächter Christoph Rabianes seine ganze Jahres Besoldung vom 16.Aprilis 1670 an biß mit 16.Aprilis 1671.
1 Th. 3 gr. Ihm den Nachtwächter im Herbste 1670 Zue einem Neuen Zippelpeltze geben, mit welchem er sich biß im Winter 1672 behelfen muß.
Thut Summa 13 Th.15 gr".
Außerdem erhielt er vier Klafter Holz und freie Wohnung.

Nach ihm werden die Nachtwächter Hanß Hausmann (1673); Michael Schultze (1678), Martin Schneider (1682), Martin Leuteldt (1683), Hanß Füßel (1705), Johann Christian Mirtwich (1716), Christian Dietrich und Martin Noack (1730) genannt.

George Berger wurde 1737 als Nachtwächter und Totengräber in Pflicht genommen. Bei der Übergabe des Amtes musste er einen Eid vor dem Rat ablegen und von dem Vorgänger das Horn mit 8 Gr. bezahlen, „wie solches allezeit der Nachtwächter thun mußte". Das Nachtwächterhaus stand damals auf der Stelle, wo sich heute die Engel-Apotheke befindet.

Einige Auszüge aus diesem Eid, indem seine ganzen Aufgaben aufgezählt werden, im damaligen Wortlaut:

Nachdem E.E.Rath allhier, euch George Berger, zum Nachtwächter und Todten
Gräber angenommen, als sollet ihr geloben schwören, daß ihr wollet bey diesen euch
anvertrauten Dienste iederzeit nüchtern, munter und wachsam halten, Stunden auf den euch angewiesenen Plätzen richtig abruffen damit wie gewöhnl. zu rechter Zeit anfangen und aufhören, auf der Bürgerschaft Häußer und Güter möglichste Acht haben, allen nächtlichen Einbruch und Diebereyen eyfrichst verhüten, solche selbst nicht unternehmen oder den eurigen zu thun gestattet, vielmehr der sämtlichen Bürgerschaft Nutzen befördern und Schaden abwenden, auf die Nachtschwermer des Nachts wohl acht haben und alles verdächtige Gesindel mit Hülfe des Gerichts-Dieners anhalten, solches wo nöthig bey dem Herrn Stadt-Richter melden, insonderheit aber wenn sich Feuers-Gefahr ereignet, so doch der Allerhöchste in Gnaden abwenden wolle, ohne Unterschied und Ansehen der Person bey wem es auch entstehet, sobald ihr es wahr nehmet entdecken und mit der Rath Hauß Klocke störmen.
Euch übrigens allen Hochgräfl. Herrschaftlichen Befehlen und Verordnungen gemäßverhalten und dann E. E. Rath allhier bey Tag und Nacht gehorsam Huld und dienstgewärtigt seyn, ingl. den Todten Gräber Dienst getreu und fleißig verrichten, über die Gebühren niemandt beschweren, sondern mit dem wie es euch vorgeschrieben begnügen laßen, die Leichen ehrl. ins Grab legen auch nicht berauben, vielweniger denen eurigen solches Zuthun gestatten. Keine Zauberey oder Abergläubische Dinge vornehmen, eine jede Leiche in ein eigenes Grab, welches seine rechte Länge, Breite und Tiefe hat legen, auch darauf Acht haben, daß ihr kein Grab eher machet, es sey den dem Hospital und den Herrn Geistlichen das Behörige entrichtet worden. usw."
Darauf antwortete er:
Ich George Berger schwere hiermit zu Gott dem Allmächtigen einen leibl. Eyd, dass ich alles dasjenige was mir iezo deutlich vorgelesen worden und ich wohl verstanden, unverbrüchlich halten und solchen nachkommen, auch daran weder Gunst, Gaben, Geschencke, und Freundschaft noch Hass, Rache oder Feindschaft noch eine andere Ursache nicht abwendig machen lassen will.
So wahr mir Gott helffe und sein Heiliges Wordt. Jesus Christus Armen"

Zu seinen weiteren Aufgaben zählte auch im Sommer die Hutung der sämtlichen Commun-Schweine und die Versorgung des Gemeindeochsen durch seine Angehörigen. Seine Frau wurde immer als Leichenfrau mit in Pflicht genommen.
Von diesem Nachtwächter Berger sind besonders viel Vermerke und Beschwerden in den alten Dokumenten zu finden. So beklagte er sich 1737 bei dem Stadtrat, dass ihm die Gastwirte nicht mehr gestatten, die vielen Fuhrwerke auf dem Marktplatz zu bewachen, da sie einen eigenen Wächter einstellen wollen. Der Stadtrat teilte aber diesbezüglich mit:
„Da von undenklichen Jahren her der Nachtwächter die Wachen bey denen auf dem
Marckt des Nachts stehenden Wagen mit vorrichtet, und solches als ein Stück ihrer Besoldung mitangerechnet wird; so können ihm die Gastwirthe alhier dieselbe nicht
entziehen und einen andern, wem sie nur wollen, zuwenden. usw."

Es war damals üblich, dass die Schweine der Kommun auf dem „Töpfermarkt" zusammengetrieben wurden, was oft über 1 bis 2 Stunden dauerte. Erst dann ging es gemeinsam auf der „Viehtrifft" (Auenweg) hinunter auf die „Nachtwächterwiese" in die Hintere Sauebbe (Aue).
Dies gefiel aber den Anwohnern des Töpfermarktes nicht, denn sie hatten sich vor ihren Häusern etwas Rasen angelegt, damit bei Regen der Sand nicht so schnell weggespült wurde.
Deshalb gingen sie aufs Rathaus und der Stadtschreiber schrieb ihre Klagen auf. So lautete
eine Beschwerde aus dem Jahre 1740 von der Anna Maria Thomaßen, die auf dem Töpfermarkt wohnte (heute Topfmarkt 4):
"....als die Schweine an ihren Hauße gewesen und sie herausgekommen und die Schweine weg jagen wollte, wäre der Nachtwächter zu ihr gekommen und gesagt; sie solle die Schweine mit frieden laßen, es wäre nicht das ihrige(das Gras),sondern der Gemeinde, da sie dem wieder geantwortet; ich laße doch die Schweine hier nicht freßen es ist daß meinige, worauf der Nachtwächter mit beyden Handen ihr an den Arm gegriffen und zweymahl an die Wand gestoßen, da ist sie dann zu dem Herrn Bürger meister Jehnichen Klagen gegangen und es wäre nicht erlaubt, daß der Nachtwächter von ihren Plaz an bis an Spittel Kirche (Hospitalkirche) zu anderthalb Stunden die Schweine alda hütete, ja es wäre öftres ein solcher Gestanck, daß die Leute wenn sie zu Grabe und sontags in die Spittel Kirche gingen, Maul und Nase zu stopfen müßten um nicht ohnmächtig und krank zu werden, den wenn sie gleich kehren ließen so hilfe es doch nichts."

Im gleichem Jahr beschwerten sich drei Frauen vom Bleichgässchen über die Jungen des
Nachtwächters, weil diese den Ochsen in ihrem Gässchen hüteten. Manchmal trieben sie auch
den Ochsen die Gasse hinauf und hinunter, um die Anwohner zu ärgern und beschädigten
dabei auch den Abwassergraben. Als ihr Vater, der Nachtwächter George Berger, einmal dazu
kam, meinte er zu den Frauen sie könnten dort hüten, denn es wäre doch der Ochse der
Gemeinde. Auch beklagten sich die Bürger, dass der Nachtwächter vor seinem Haus einen
großen Haufen Heu liegen hat und er ginge mit brennender „Tobacks-Pfeiffe" um ihn herum,
dadurch könnte doch leicht ein großes Unglück passieren. Weiter wurde auch beanstandet,
dass der Nachtwächter abends um 10 Uhr die Stunde nicht abrufen würde und sogar die
Nachtwache durch andere Leute verrichten lasse. usw.
Über all diese Klagen wurde nun im Rats-Kollegium beraten und der Nachtwächter für
schuldig befunden. Deshalb erging der folgende Ratsbeschluss, wörtlich heißt es u. a.

"1. Soll der Nachtwächter, wegen der ungebührlichen aufführung und ausgestoßene Redens
arthen gegen seinen vorgeseszten dem Herrn Bürgermeister Jähnischen, so wohl wegen der an
der Thomaßen ausgeübten Excesse und der Fehneln angethan Bedrohung ein Tag und Nacht
mit den Thurm bißen, darum beym Hochgräfl. Canzley Amte Ansuchung geschehen.
2. Wird denselben nochmals untersaget bey der bereits angekündigten Strafe der 5 Gr. fernerhin vor den Leuten ihren Thüren, weder mit dem Brum Ochsen, Kühe oder Schweinen, an keinen Orthe der stadt, oder vor den Bürgern ihren Thüre zu hüten, sondern so bald die Schweine auf den sogenannten Töpfer-Marckt sich versamlet, aufs bald fort und die ordentliche Sau-Trifft an Mstr. Scharffenorths Ecke hinunter, und nicht bey der Spittel Kirche vorbey treiben.
3. Kann ihm zwar ein Hauffen Streu, jedoch nicht in einer solchen großen Menge vor seinem
Hauße auf zu schobern erlaubt seyn iedoch aber künftig mit der brennenden Tobacks Pfeiffe
herum nicht gehen, sich nicht mehr unterstehen.
4. Wegen seiner bereits zum öfftern verspührten nachläßigen Nachtwache und der diesfalls
befohlenen Verwahrung wird ihm alles Ernstes und zwar bey Verlust seines dienstes
angedeutet, künftig dergleichen nicht wieder zu thun und nüchtern und mäßig sich durch
niemanden anders die Nacht Wache verrichten zu laßen, bey sich ereigenden Nothfall aber hat
er solches den Regierenden Herrn Bürgermeister zu melden, und zugleich denjenigen der die
Nachtwache verrichten soll vorzustellen.
5. Deßen Junge aber sol seine liederlichen Reden halber 2 stunden in der Jupe
(Stadtgefängnis) gestecket werden und hat der Nachtwächter die hierbey liquidirten und
verursachten Unkosten allein zu tragen. Auch ist ihm gegenwärtiger Raths Schluß zu seiner
nachricht abschrifftlich ertheilet worden. Geschehen und publiciret.
Königsbrück den 1.September 1740 Arnold Daniel Otto, Stadtschreiber"

1752 wurde Hans Höntzsch (Hannß Hönyschen) als neuer Nachtwächter in Pflicht
genommen. Wo er gewohnt hat, konnte nicht ermittelt werden, denn Berger blieb in seinem
Hause wohnen und baute es neu auf.
Nach ihm übte das Amt George Krauße aus, der auf dem Töpfermarkt wohnte (heute Nr.1).

Hier einmal die vorgegebenen Plätze, wo der Nachtwächter abrufen musste.
1. vor Lieberschen Gasthof „Zum Schwan" Markt 13
2. bey Köppens Ecke Markt 18
3. bey Gottlob Hillens in der Braugaße Marktstrasse 7
4. vor der Schule Kirchgaße Schloßstrasse 28
5. bey Traugott Hillen Kirchgaße Schloßstrasse 14
6. bey Meister Lentschken Kirchgaße Schloßstrasse 2
7. an der alten Post bey Lorentz Markt 7
8. bey Carl Bader Hoyerswerdaer Gaße Curt-Tausch Strasse 15
9. vor dem Hoyerswerdaer Thor Hoyerswerdaer Strasse 1
10. bey Gottlieb Heringen Hoyersw.Gaße Hoyerswerdaer Strasse 16
11. bey Sickert Weißb.Gaße Weißbacher Strasse 16
12. bey Oberbeckers Camentzer Gaße Kamenzer Strasse 21
13. vor dem Camentzer Thor Alte Poststrasse 22
14 bey Hildebrandts Alte Posstrasse 14

Beim Stadtbrand von 1760 fiel auch das Haus des Nachtwächter Krauße auf dem Töpfermarkt
(seit 1930 offizielle Bezeichnung „Topfmarkt") den Flammen zum Opfer. Deshalb musste
eine andere Unterkunft besorgt werden und so ist im Jahre 1761 in dem Jehringschen Hause
in der Vorstadt(heute Kamenzer Straße 4) eine Nachtwächterwohnung eingerichtet worden.
Dieses Haus, wie auch die anderen Häuser waren zu dieser Zeit meistens nur unten aus Stein
erbaut, das Obergeschoß aber vorwiegend aus Fachwerk oder nur einfacher Bretterverschlag
und die Dächer mit Schindeln gedeckt. In einer alten Rechnung aus dem Jahre 1768 für das
Nacht wächterhaus heißt es:
" die angefaulte Wand weggenommen und ein Teil des Dachstuhles neu gemacht und die eingefallene Feuer-Mauer mit Holtz abgesteift und selbige wieder mit Brettern verschlagen und das Tach mit alten Schindeln ausgebeßert."
Nachdem 1788 dieser Stadtnachtwächter und Totengräber verstorben war, meldeten sich 4 Bürger um diesen Dienst zu übernehmen. Tobias Haase bekam das Amt übertragen, aber er wollte nicht in das baufällige Haus des vorigen Nachtwächter Krauße einziehen, sondern in seinem eigenem Hause ( BK A 118, heute Louisenstrasse 8) wohnen bleiben, was ihm auch gestattet wurde. Die Stadt bezahlte nun dem Nachtwächter noch 4 Th. Mietzins.
Tobias Haase sen. starb im Jahre 1797 und sein Sohn Tobias bewarb sich um das Amt und da
er schon während der Krankheit des Vaters diesen Dienst treu und ordentlich verrichtet hatte,
wurde er zum Nachtwächter und Totengräber vereidigt.

Zeitweise gab es auch noch einen Stadtfeuer- und Bettelwächter. Dieser Wächter aber war
verstorben und so wurde 1806 Johann Gottfried Goltze verpflichtet. Weil er seinen Dienst nicht richtig versorgte, wurde er wieder entlassen. Ein Polizeidiener wurde im Jahre 1810 angestellt, der nun nachts die Feuerwache mit übernahm.

Tobias Haase jun. legte ab 1.1.1809 seinen Dienst freiwillig nieder, und so wird Gottlieb Haase, gewesener Postillon, nominiert. Jedoch hat man mit der Verpflichtung und völligen Einweisung noch Abstand genommen, bis er einige Proben abgelegt hatte. Er übte dieses Amt
vom 6. April 1809 bis Ende 1811 aus. 1812 wird Tobias Haase jun. zum 2. mal als Stadtnächtwächter vereidigt, weil er von Seiten des Rats der annehmlichste von den vielen Bewerbern war.
Am 27. September 1824 wurde die gesamte Bürgerschaft aufs Rathaus bestellt; denn es sollte
wieder ein Feuer Nachtwächter ernannt werden. Nach Verhandlungen wurde bestimmt, das
Meister Christian Traugott Schäler, ein Zeug- und Leinweber mit einem jährlichen Gehalt von
30,00 Th. verpflichtet wurde. Er legte, ähnlich wie der Nachtwächter, einen Eid ab und erhielt
folgende Instruktionen:
"1. Der Feuer-Nachtwächter zu Königsbrück wird sich durch ehrbares, stilles und fried-
fertiges Betragen auszeichnen und den Communmitgliedern durch christlichen Wandel
ein gutes Beispiel seyn.
2. Derselbe soll sich jederzeit nüchtern, munter und wachsam halten und alle Stunden gehörig auf den angewiesenen Plätzen abrufen. Im Winter von Michaelis bis Ostern von ½ 11 Uhr bis ½ 5 Uhr, im Sommer dagegen von Ostern bis Michaelis Abends ½ 11 Uhr anfangen und früh ½ 3 Uhr damit aufhören.
3. Er hat dabey auf die Häuser der Bürger und Güter möglichst Acht zu haben, allen nächtlichen Einbruch und Diebereyen eifrig zu verhüten, solch selbst nicht unter- werfen, noch den Seinigen zu thun gestatten; sondern vielmehr der sämtlichen Bürger- schaft Nutzen und Bestes befördern und allen Schaden abzuwenden usw."

Den Bürgern der Stadt teilte man daraufhin folgendes mit:
Die seit vielen Jahren unbesetzt gebliebene Stadt-Nacht-Feuerwächterstelle ist dem Wunsche
der hiesigen Bürgerschaft gemäß, nunmehr wieder besetzt".

Tobias Haase kündigte 1840 seine Funktion als Nachtwächter. Seine Gründe waren Alters- schwäche. Nur den Dienst als Totengräber wollte er noch verrichten. Sein Nachfolger war ab 1841 Friedrich Leitner, ein Schuhmacher. Er erhielt folgende Anweisung:
Die Wache hat derselbe so zu verrichten, daß er mit dem Schlag 10 Uhr auf dem Markte antritt, daselbst ein Zeichen mit dem Horn gibt und die Stunde abruft. Sodann hat derselbe
langsam den Umgang durch die Stadt dergestalt zu halten, daß er in der Braugaße herunter
nach der Baderbrücke zugeht, dann umkehrt und an der Dienerey (Dresdner Str.1) wieder ein Zeichen mit dem Horn gibt und die Stunde abruft. Von da hat der Nachtwächter die Dresdner Gasse bis an den Pfarrgarten, um auch die Pfarrwohnung von hinten zu beobachten, zu gehen; dann umzukehren nach dem Schulhause und weiter auf dem Kirchhofe und um die Kirche herum, die Kirchgasse herauf und an den Semmelbäncken wieder das Zeichen mit dem Horn zu geben und die Stunde abzurufen.
Nachdem er die Fleischbänke besucht hat nach der Hoierswerdaer Gasse bis an die
Schmorkauer Gasse, dabei die Quergasse zu besuchen und an der Schmorkauer Straßen-
ecke wieder das Zeichen mit dem Horn zu geben und die Stunde abzurufen; dann die
Hoierswerdaer Straße herab, durch die gesamten Bürgerhäuser und in der Nähe des
Zschiepkeschens Hauses (Hohlweg 17) ein Zeichen zugeben und die Stunde abzurufen, an Anders Bürgerhaus zur Stadt nach dem Jägerhofe, bei dem Schardengschen Hauße ein Zeichen mit dem Horn zugeben und die Stunde abzurufen, dann durch die Neugasse (Bad-
weg), die Hoierswerdaer Str. herauf, die Weißbacher Gasse bis an die Scheunen, dann die Kamenzer Gasse.In der Nähe des Fehndlerschen Haußes mit dem Horn ein Zeichen geben und abzurufen. Danach Hospitalkirche, Hospital Gasse bis an das Ehrigsche Hauß, Topfmarkt 4)das Bleichgäßschen besuchen, sowie auch das Bleichhäußschen, um auch die Stadt von dieser Seite zu sehen. Durch die Quergasse, Kamenzer Gasse und an Flachs Hausecke (alte Poststrasse 22) mit dem Horn abrufen und die Stunde ausrufen, durch die Kamenzer Gaße zum Markt. Damit ist der Umgang beendet.
Höchstens 10 Minuten in jeder Stunde kann der Nachtwächter bei strenger Kälte seine
Wohnung aufsuchen und sich dort aufwärmen, dann ist der Umgang stündlich zu wieder-
holen. Dabei gilt besonders auf Feuer und Licht ein wachsames Auge zu haben und wenn Jahrmarkt ist auch die Buden und auf Verlangen die Wagen vor den Gasthöfen gegen Vergütung zu bewachen; Ermahnung: wenn er einmal betrunken angetroffen wird, erfolgt sofortige Kündigung und kann auf der Stelle entlassen werden."

Nachdem Totengräber Haase 1842 verstorben und dessen Ehefrau die Funktion als Leichenwäscherin freiwillig aufgegeben hatte, wurde Friedrich Gustav Leitner nun auch als Totengräber, dessen Ehefrau Johanne Rosine geb. Lotzmann aber als Leichenwäscherin in Pflicht genommen.
Doch recht unzufrieden müssen die Königsbrücker 1847 mit ihrem Nachtwächter gewesen
sein, denn er versäumte oft, die Stunde nach Mitternacht auszurufen. Beschwerden gingen an die Stadtväter und der Bürgermeister musste sich den Nachtwächter ernsthaft vornehmen.
In einer Bekanntmachung heißt es:

Daraufhin hat der Nachtwächter die Stunde abgerufen, aber nicht mit dem Horn angetutet. Es kamen wieder neue Beschwerden und der Nachtwächter erhielt nun auch die Anweisung, die Stunde nach Mitternacht durch das Horn anzututen.

Annonce Nachtwächter

Beim großen Stadtbrand im Jahre 1847 brannte das Nachtwächterhaus von Leitner mit ab. Nach Anordnung der Amtshauptmannschaft durfte dieses Haus an der Ostseite der Durch-gasse (heute Rathausgäßchen) nicht wieder aufgebaut werden und die Stelle wurde zu einer Gartenanlage gemacht, die später, 1906 durch den Erweiterungsbau der Buchdruckerei Pabst in Wegfall kam. Aus gesundheitlichen Gründen bittet 1867 Leitner den Stadtrat ihn von seinen Posten zu entbinden. Leitner hat über 26 Jahre lang 1 Monat und 11 Tage den Dienst als Nachtwächter verrichtet.

Der Stadtrat hatte nun beschlossen den Posten des Nachtwächters mit dem des Lampenwärters zu verbinden. Die Besoldung für den Nachtwächterdienst betrug 60 Taler und für den Lampenwärterdienst 10 Taler jährlich.
Nach einer Ausschreibung wurde Johann Gottlieb Schwiebus, der damals auf der Hoyerswerdaer Straße (heute Weststraße 4) wohnte für ein halbes Jahr auf Probe eingestellt und am 13. März 1867 als Nachtwächter und Lampenwärter verpflichtet.

1869 wird von den Bürgern dieses Schreiben an den Stadtrat geschickt:
Sämtliche unterzeichnete Bergbesitzer zu Königsbrück erlauben sich die Bitte, da wir alle
von der Stadt vereinzelt wohnen und ohne täglichen und nächtlichen Schutz sind, so waren
wir gezwungen einen Kettenhund zu halten.
Da nun laut Gesetz alle Hunde versteuert werden müßen, so wollen wir unsere Hunde abschaffen. So bitten wir, damit wir in allen mit dem übrigen Bürgern in Abgaben gleichgestellt sind, daß der hiesige Nachtwächter des Nachts die Bergstrasse mit begeht wie in der Stadt, um unser Eigenthum auch mit zu bewahren. In der Hoffnung, daß diese unsere Bitte berücksichtigt wird, verharren wir mit Hochachtung."
Es folgen die Unterschriften der dort wohnenden Bürger:
Handrich; Freudenberg; Hommel; Leuthold; Schmidt und Fuchs.
Königsbrück, den 3. Februar 1869

Schwiebus wird angewiesen, diese Strasse mit zu begehen, außerdem erhält er statt 1 Klafter Holz noch 4 Taler jährlich an Besoldung.
Auch dieser Nachtwächter muss seinen Dienst nicht immer ernst genommen haben. Im Juli 1872 beschwerte sich der stellv. Ratsdiener Ferdinand Reichardt, dass er das Abblasen mit dem Horn nicht gehört habe. Nachdem er den Nachtwächter längere Zeit gesucht hatte, fand er ihm ½ 2 Uhr schlafend vor der Mädchenschule. (Markt 10) Er ließ ihn hier bis ½ 4 Uhr schlafen. Die nächste Nacht fand Reichardt ihn an der Post (Markt 18) wieder schlafend, wo er auch bis ½ 3 Uhr blieb, und dann aufstand, über den Markt ging und sich wieder vor die Mädchenschule setzte und weiter schlief bis Reichardt ihn weckte und nach Hause schickte. Er wurde wegen Dienstvernachlässigung verwarnt und sollte beim nächsten geringsten Vergehen 1 Taler Strafe zahlen. Im darauf folgendem Jahr forderte Schwiebus eine Lohnerhöhung, doch die Stadtverordneten sind darauf nicht eingegangen und Schwiebus wurde gekündigt.
Daraufhin wurde August Fischer, der gleichzeitig 3 mal in der Woche als Gerichts-Beamten-diener tätig war, am 7. Februar 1873 als Nachtwächter und Lampenwärter angestellt. Er erhielt ab 1. Oktober 1873 eine Besoldung von 90 Taler jährlich, dafür fielen alle anderen Vergünstigungen weg. Doch schon am 30. November 1876 legte er sein Amt wieder nieder.
Nachfolger wird am 1. Januar 1877 Carl Gottlob Richter, ein Tagearbeiter. Wie lange er dieses Amt ausführte konnte nicht ermittelt werden. Bekannt ist nur noch, das am 19.5.1888 der Nachtwächter und Lampenwärter Robert Tänzer verstorben ist.
1890 wird von der Stadt besoldet der Stadtwachtmeister Bader und der Nachtschutzmann und
Laternenwärter Otto Fahlisch, welche die Aufgaben des Nachtwächters übernahmen.
Am 1. Mai 1896 wird der Stadtwachtmeister Bader, wohnhaft Weißbacherstrasse 4, nach 21.
jähriger Dienstzeit in den Ruhestand versetzt (1875-1896).Von 62 Bewerbern wurde Johannes
Wujanz aus Großenhain als Stadtwachtmeister in Pflicht genommen.
Dazu kam noch 1898 eine 2. Schutzmannstelle, mit welcher Nachtdienst und Laternenwart-
ung eines Teiles der öffentlichen Beleuchtung verbunden war. Das Jahreseinkommen betrug
750 Mark. Im August 1901 wurde mit dem projektierten Ausbau der elektrischen Beleuchtung
begonnen. (siehe Stadtanzeiger 2007 Nr. 199-201)

Zum Abschluss noch ein Bericht einer alten Königsbrückerin aus der „WZ" von 1883.
Sie erinnert sich:
Der Verkehr von und nach Dresden wurde durch Grahls Pferde-Omnibus aufrecht- erhalten, früh um 4 Uhr ging dieser vom Marktplatz ab. Es war damals ja auch ein Er- eignis, diese Reise nach Dresden; wer sich eines gesunden Schlafes erfreute und über keinen Wecker verfügte, ließ sich durch den N a c h t w ä c h t e r wecken.
Ein Schlaukopf band sich eine Schnur ans Bein und befestigte am Ende einen schweren Gegenstand. Diese Schnur ließ er durchs Fenster des Schlafzimmers im 1. Stock hinunterbaumeln. Frau Fama berichtet, dass der Herr beim erstmaligen Wecken in der Schlaftrunkenheit geglaubt hat, Räuber wollten ihm das Bein ausreißen und entsetzlich geschrieen hat. Jedenfalls hat der getreue Nachtwächter den übernom- menen Auftrag prompt erfüllt und kräftig an der Schnur gezogen."

K. Kühne
Bildmaterial: Bild Nachtwächter;
Bemerkung: Kursive Schrift ist Originaltext aus den Akten.
Q u e l l e n : S t a d t a r c h i v:
Rechnungsbücher der Stadtgemeinde ab 1667-1900
Akta: V-IV Nr. 1/ Nr. 7/ Nr. 23/ Nr. 38/
Akta: XII-IV Nr. 1/ Nr. 7
Protokolle der Stadtgemeinderatssitzungen
"WZ" 1897 Nr. 97
Artikel von A. Michael in „Neue Heidezeitung" vom 15.1.1944

Die ehemalige Schützenhalle

Zur Geschichte der „kleinen Turnhalle"
Wie schon bekannt, wurde diese kleine Turnhalle neben der ehemaligen Berufsschule abgebrochen.
Ursprünglich wurde sie 1906 als Schützenhalle erbaut.

Schützenhalle später Turnhalle Schwanenteichschule 1990In einer alten Akte wird darüber folgendes berichtet:

„ Die private Schützengesellschaft zu Königsbrück hat im vorigen Jahre auf dem Plan des Schützenhauses eine Schützenhalle errichtet, welche den Zweck hat, der Gesellschaft und den Festgästen bei Abhaltung der Schützenfeste, sowie auch anderen Vereinen, auch der Schule bei Abhaltung der Schulfeste, bei Eintritt ungünstiger Witterung geschütztes Unterkommen zu bieten."

Die Baukosten haben ca. 3 400 M betragen. Hierauf sind 1100 M aus Gesellschaftsmitteln bezahlt. Der Rest der Baukosten nebst Zinsen ist noch zu bezahlen. Es liegt im Wunsche der Schützengesellschaft, dass die Abtragung der Schuld binnen ca. 10 Jahren erfolgen möchte.
Um diese Schulden zu tilgen, wurde beim Stadtrat beantragt, das alljährlich stattfindende Prämienschießen mit Gabenverlosungen zu verbinden. An der Verlosung sollen auch Nichtmitglieder der Gesellschaft durch Entnahme von Losen sich beteiligen dürfen. usw.

Schützenhalle - Laut dieser Anzeige wurde sie am 5. August 1906 feierlich eingeweiht.„Die Schützengesellschaft bittet höflichst, die Verlosung zu gestatten. Einer gütigen Gewährung der Bitte erlaubt sich entgegenzusehen.
Königsbrück, 9. Juli 1907

Hochachtungsvoll und ergebenst
Private Schützengesellschaft durch
A. Pabst, Vorstand."

Laut dieser Anzeige wurde sie am 5. August 1906 feierlich eingeweiht.

Wie diese Einweihung hier in Königsbrück vor über 100 Jahren festlich begangen wurde, zeigt ein Bericht aus der „Westlausitzer Zeitung", den ich hier ungekürzt wiedergeben möchte.

„Unsere Stadt prangte gestern und heute im Festschmuck: die privilegierte Schützengesellschaft beging in solenner Weise die festliche Ingebrauchnahme der von ihr auf dem Plane des Schützenhauses neu errichteten Schützenhalle.
Der ergangenen Einladung zur Teilnahme an dem Feste hatten die uniformier-ten Schützengesellschaften von Pulsnitz, Kamenz, Elstra, Bischofswerda, Stol-pen, Radeburg und Großenhain, zumeist recht zahlreich, Folge geleistet, so daß sich von 11 Uhr Mittag ab, als die auswärtigen Gilden nach und nach eintrafen, reges Leben entwickelte.
Der Festzug, an welchem außer den Schützen noch der Militärverein, die frei-willige Feuerwehr, der Männergesangsverein, der Turnverein, die Sanitätskol-lonne und eine Anzahl Festjungfrauen teilnahmen, bot mit seinen 13 im Zuge befindlichen Fahnen ein staatliches Bild.
Vom Aufstellungsorte, der Hohenthalstrasse ab nahm derselbe seinen Weg durch die Weißbacher-, Louisen- und Poststrasse nach dem Marktplatze. Hier begrüßte Herr Bürgermeister Leßmann die Festteilnehmer in längerer Rede, in welcher er die auswärtigen Gäste namens der Stadt aufs herzlichste willkommen hieß, die hohen idealen Aufgaben des Schützenwesens feierte und mit einem Hoch auf Se. Maj. den König, den Protektor des Wettinschützenbundes, schloß, in das die Versammlung lebhaft einstimmte.
Nachdem sich eine Deputation der Stadtgemeindevertretung und eine Deputat-ion des Offizierskorps der Reitenden Abteilung in den Zug eingereiht hatte, setz-te derselbe seinen Weg fort durch die Schloß-, Dresdner-, Markt-, König-, Louisen- und Kamenzer Straße nach dem Schützenhaus, wo er vor der neuen Schützenhalle Aufstellung nahm.
Namens der Königsbrücker Schützen sprach hier deren Vorsteher in herzlichen Worten allen denen den verbindlichsten Dank aus, die am Zustandekommen der Halle mitgewirkt, sowie allen denen, die durch Teilnahme am Feste dasselbe so schön zu gestalten beigetragen hatten, und Herr Baumeister Rewig, der Erbauer der Halle kennzeichnet bei Übergabe des Schlüssels der Halle sehr zutreffend den großen Fortschritt, den die neue stattliche Halle gegenüber dem früheren Schützenzelt darstellte.
Der Eindruck, den dieselbe im Festschmuck auf die eintretenden Festteilnehmer machte, war sichtlich ein wohlgefallender. In der Halle war eine stattliche Zahl wertvoller Ehrenpreise ausgestellt, die denjenigen winkten, die aus dem sich anschließenden Preisschießen als Sieger hervorgingen.
Die beste Leistung im Schießen hat Herr Hofmann, Bischofswerda. 57 Points,
die zweitbeste Herr A. Bernhardt, hier, 54 Points, bei 3 Schuß auf 20 Ringscheiben.
Abgesehen davon, daß der Festzug von einem kurzen heftigen Regenschauer betroffen wurde, war der Verlauf des Festes durchweg von echtem Schützenfrohsinn getragen. Dasselbe wird allen Teilnehmern noch lange in freundlichem Gedenken bleiben."

Schützen vor der Schützenhalle. Foto um 1930Am 30.11.1954 wurde in einer Stadtgemeinderatssitzung die Umsetzung der Schützenhalle beschlossen.
Darin heißt es u.a.:

„Kollege Moschke berichtet über die geplante Umsetzung des Schützenzeltes nach dem auszutauschenden Gelände an der Berufsschule. Die Möglichkeit der Umsetzung wurde durch ein Fachurteil festgestellt. Der Kostenanschlag lautet über 5 000,- DM. Da die Halle nicht , wie einst geplant war, auf dem Schulhof, sondern auf dem auszutauschenden Wiesengelände errichtet werden soll, entsteht ein Mehrbetrag in Höhe 3 500,-DM.
Zur Verfügung stehen vorläufig nur 6 000,-DM, der Restbetrag von 2 500,-DM soll im Januar 1955 beglichen werden. Stadtrat Schubert bringt hierbei zum Ausdruck, das die Umsetzung der Initiative des Berufsschullehrers Luschnat zu verdanken sei usw."
Kursivschrift ist Originaltext.

K. Kühne

Quellennachweis: Stadtarchiv
Akte XII-XIII-Nr.136 ab 1901
„WZ" vom 7.8.1906 Nr. 91
Stadtgemeinderatssitzung (Protokoll 30.11.1954 )

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