Ferienwohnung Landmann

Herr Norbert Landmann
Oststr. 12, 01936 Neukirch OT Weißbach Tel.: 035795 32079

Zeittafel 1945

  • Einwohner der Stadt: 3500
  • Als die Ostfront immer weiter nach Westen vorrückte, flohen viele aus Angst, oder wurden vertrieben. Endlose Flüchtlingstrecks zogen durch Deutschland, sie kamen aus Schlesien und Ostpreußen mit ihrem Pferde- und Ochsengespannen, oftmals auch nur mit Handwagen mit dem nötigsten beladen.
  • Notquartiere in Königsbrück waren im Schwarzer Adler, dem Schützenhaus, im Stenzer Gasthof. In der Volks- und Berufsschule waren in Schulzimmern oft 500 - 700 Menschen auf Strohlagern untergebracht
  • In den Apriltagen des Jahres 1945 boten KZ-Häftlingskolonnen ein elendes Bild, sie wurden brutal von den sie begleitenden SS-Mannschaften angetrieben, nicht selten machten Häftlinge unterwegs schlapp und blieben liegen. Sie wurden erschossen (2 Tote fanden auf dem Hospitalfriedhof ihre letzte Ruhestätte).
  • 20. April Freitag - 18.30 Uhr Panzeralarm
    - Truppen der Deutschen Wehrmacht fliehen
    - sowjetische Truppen nähern sich der Stadt
  • Die Bevölkerung flieht oder sucht Schutz in den nahen Steinbrüchen und in Kellern
  • Der Widerstand war unbedeutend. Die sinnlosen Kampfhandlungen forderten das Leben von
  • 12 Wehrmachtangehörigen und 4 Volkssturmmännern.
  • Treffer in der Stadtrandsiedlung und Weißbacher Str., dabei sind 14 Häuser abgebrannt
  • Die Russen marschieren südlich der Stadt in Richtung Höckendorf-Lomnitz und in Richtung Radeberg.
  • 20/21. April Durchmarsch sowjetischer Truppen in Richtung Großenhain/Dresden
    - tiefgestaffelte Panzersperren sollen die Zugäng der Stadt versperren
    - 21.4.in der Nacht versiegt der Flüchtlingsstrom, die Stadt liegt in unheimlicher Stille
    - am Ostausgang der Stadt standen 3 Posten, Angriff von Osten und Norden her
    - Panzerspähwagen patroullieren durch die Stadt
  • Die Bevölkerung ist ohne Führung auf sich selbst angewiesen
    - Bäckermeister Hoyer bäckt Brot - Abgabe auf die Haushaltskarte
    - Fleischermeister Leißner gibt Fleisch aus (kein Strom) elektrische Kühlanlage fällt aus
    - Bevölkerung holt sich aus dem Proviantamt und dem Lebensmittellager in der Kaserne Lebensmittel und Fleischbüchsen
    - Wasserversorgung fällt aus (Dank Wassermeister Kühne nur 1 Tag)
    - Rathaus- und Kirchenuhr stellen ihre Dienste ein, kein Radio
  • 24.April 10.00 Uhr provisorische Stadtverwaltung konstituiert (Albert Jacob und Paul Peller).
    -Depot im Neuen Lager wird für Ernährung gesichert
    -Erneute Kampfhandlungen auf dem Furtweg
    - russische Truppen: Neues Lager blieb in ihrem Besitz, jedoch zog sich der Rest der Armee am 24.4. in Richtung Schmorkau zurück
  • 25. April -Spitzen von SS-Ableitungen kommen schlecht ausgerüstet (fast keine Waffen) von Dresden
    - Russen lagern im Neuen Lager am Nordrand der Stadt auch mit schwachen Kräften
  • 7. Mai
  • Besetzung aller militärischen Anlagen durch die Rote Armee, im Gebäude Topfmarkt 5 vorübergehende Unterbringung der sowjetischen Kommandantur
    - Einsetzung des kommissarischen Bezirksbürgermeisters
  • Amtsgerichtsbezirk U5 gebildet: Grenzbezirk TÜP, Königsbrück, Stenz, Gräfenhain, Reichenau, Reichenbach, Niederlichtenau, Oberlichtenau, Koitzsch, Glauschnitz, Großnaundorf, Mittelbach, Neukirch, Schwepnitz, Gottschdorf, Grüngräbchen, Röhrsdorf, Steinborn, Bohra, Laußnitz, Weißbach, Schmorkau, Naundorf, Höckendorf, Wittichenau, Cosel
  • Rathaus, Amtsgericht, Post, Bahn von der Roten Armee besetzt
  • Einsetzung der zivilen Verwaltung durch den 1.Kommandanten, Major Andrejew und politischen Oberleutnant Kussnezow
  • 15. Mai neue Stadtverwaltung am Markt ehemals Polizeiwache (Schuh Oswald), danach in den Räumen des Schwarzen Adlers:
  • Bürgermeister: Paul Preller,
  • Stellvertreter: Albert Jacob
  • Abt. Arbeit: Paul Pilz
  • Abt. Wohnungswesen: Kurt Hübner
  • Abt. Wirtschaft: Kurt Starke
  • Abt. Finanzen: Otto Tamke
  • Abt. Landwirtschaft: Richard Sonntag
  • Abt. Polizeiwesen: Paul Bergmann
  • Abt. Industrie: Hans Hummel
  • Abt. Wasserwirtschaft: Otto Kühne
  • Abt. Kultur: Otto Bergmann
  • Abt. Gesundheitswesen: Klaus Kretschmar
  • öffentliche Ämter von "Antifaschisten" betreut,
  • ebenso Post, Reichsbahn, Schule, Feuerwehr, Rote Hilfe, Druckerei, u. ä.
  • Feststellungsbericht vom 21. Mai 1945:
  • In Königsbrück sind 736 bewohnte Gebäude mit 1698 Haushaltungen vorhanden, 2/3 davon sind Etagenwohnungen.
  • 8% der Häuser und 7 % der Wohnungen - Haushalte - sind infolge Kriegsschäden unbewohnbar.
  • Königsbrück hatte vor dem Kriege 5548 und am 1.4.45 5658 Einwohner
  • Etwa 600 Männer von Königsbrück wurden in den Heeresdienst einberufen.
  • Fabriken:
  • Eisenwerk G. Meurer 108 Arbeiter
  • Keramische Werke A. Dietze 69 Arbeiter
  • Ofenfabrik Friedrich Werner 55 Arbeiter
  • Verwertungsbetrieb Westermann & Co 120 Arbeiter
  • Buchdruckerei Alfred Pabst 69 Arbeiter
  • Steinbrüche Bruno und Marie Pufe 72 Arbeiter
  • Textilfabrik Eugen Martin 20-23 Arbeiter
  • Autoreparaturanstalt Fritz Schreyer
  • Autoreparaturanstalt Herbert Hörig
  • Landw. Maschinen Paul Mihan
  • gesamt: ca. 516 Arbeiter
  • Eisenbahn 100 Arbeiter
  • Post 70 Arbeiter
  • Verwaltung des TÜP 800 Personen
  • 3 Gärtnereien (Konrad Geier, Paul Vetter, Richard Kalmus)
  • 1 Wasserwerk - Trinkwasserversorgung der Stadt durch ein Naturquellgebiet am Keulenberg und 1 Pumpwerk in der Aue, dem ergiebige Brunnen angeschlossen sind
  • Speicher: 2 Heeres-Verpflegungsamt TÜP ; Prinz Georg Kaserne
  • 2 Schulen: 1 Volksschule, 1 Berufsschule
  • 6 Tankstellen für Benzin und Öl
  • 2 betriebsfähige Mühlen
  • 6 Bäckereien
  • 2 Fleischereibetriebe mit Schlachtungen, 4 offene Fleischereiverkaufsstellen
  • 2 öffentliche Luftschutzkeller
  • 1 Elektrostation E.V. Gröba


Ausblick:

  • Vermögen der Stadt: von 650000 M nur noch 3029 M vorhanden
  • Häuserschäden:
  • abgebrannt - Bleichberg: Eisold, Hirschauer
  • Weißb. Str.: Slotta, Succolowsky
  • Kamenzer Str.: Hennig
  • teilw. beschädigt: Weißb. Str.: Müller, Frommhold
  • Kamenzer Str. /Querstr.: Hartmann
  • Feuerwehr:
  • Löscharbeiten behindert, da der ehemalige Bürgermeister Eulitz mit der Spritze u. a. Löschgeräten geflohen ist
  • Straßen/Verkehr:
  • Sprengung der Brücken - Kamenzer Str. - Auffüllung der Brückenöffnung, Baderbrücke, Mühlgrabenbrücke (Schloßberg), Großenhainer Str., Gräfenhainer Str.
  • Wasserleitung:
  • Hauptrohr vom Wagenberg zerstört
  • Pumpwerk in der Aue noch in Betrieb - aber nicht ausreichend
  • Wiederherstellung des Hauptrohres an der Brücke Kamenzer Str.
  • Eisenbahn:
  • beschädigt zwischen Weißbach u. Königsbrück, Ostbahnhof Königsbrück, in der Laußnitzer Heide, Brücke in Hermsdorf
  • Industrie:
  • Wärmegerätewerk - im Krieg Produktion von Feuerlöschern - in den Apriltagen mehrmaliger Überflug sowj. Flieger - keine allzugroßen Schäden durch 39 Granateinschläge
  • Materialbeschaffung im Hauptwerk in Cossebaude
  • wichtige Produktionsaufgaben waren mehrere große Aufträge für die damaligen Unterkünfte im Alten und Neuen Lager
  • Produktion von Töpfen, Waschgefäßen, Spülbecken, Einkochtöpfen u. a. Bedarfsgut - sollte den dringendsten Bedarf der Bevölkerung befriedigen zunächst 35 Beschäftigte
  • Erzeugnisse wurden gegen Naturalien eingetauscht
  • danach Fertigung aus sichergestellten Heeresbeständen Öfen und Nägel
  • eigenständige Betriebsleitung durch Lösung vom Hauptwerk
  • SMA-Befehl über die Ausgabe von Werksküchenessen
  • gesundheitliche Betreuung:
  • Dr. Schlemm, Dr. Thauer, Dr. Koller, Dr. Brutschy, Dr. Pinker
  • Versorgungslage:
  • - Milchpflichtablieferung seit 20.3.39 in der Gemeinde Königsbrück an eine Dresdener Molkerei Gebr. Pfund - Die eigene Herstellung von Butter ist nicht erlaubt
  • Ortsverteilung für Butter in den Molkereien Thekla Klemm und Hermann Trautmann.
  • In Königsbrück gibt es insgesamt 11 Halter von Milchkühen
  • - Haushaltsausweise für entrahmte Frischmilch seit dem 11.10.41;
  • Neuregelung ab 7.2.42 - Milchversorgung nur noch in einer Milchverteilungsstelle, der Verkauf von Frischmilch ab Hof ist verboten
  • - April 1942 Käsebezugsscheine - Sauermilchkäse
  • - Nutzbarmachung der Bucheckern für die Ölgewinnung 11.9.42
  • - Anordnung über die Führung eines Eierbuches 2.1.42 ; jährliche Ablieferungsmenge 60 Stück
  • - Neuregelung zur Feststellung des Bedarfs der Fleischereien an Fleisch, Fleischwaren und Schlachtfetten
  • Haupt- und Verteilerbetriebe: Alwin Herklotz, Ernst Werner, Willy Grundmann, Arno Krause, Richard Leißner, Kurt Lotze, Kurt Müller, Alfred Ziegler
  • ab 3.4. 41 - 3 vorhandene Fleischereien: Arno Krause, Ernst Werner und Alwin Herklotz (26.4.41 Schließung des Betriebes von Ernst Werner)
  • ab 31.7.45 Schlachtverbot
  • In den letzten Apriltagen 1945 war die Versorgung ausreichend
  • Unmengen an Konserven, Lebensmittel und Gebrauchsgegenständen lagerten im Depot in Steinborn, in der Kaserne Höckendorfer Str. und bei Westermann am Ostbahnhof
  • Am 30.4. räumte die Deutsche Wehrmacht den Ort - alle Vorräte wurden aus dem Depots ausgeräumt und abtransportiert
  • Nach Kriegsende wurde Versorgung der Bevölkerung durch denSMA-Befehl Nr. 96 vom 13.10.45 geregelt:
  • Dabei gab es folgende Normen für die Bevölkerung - Mengen in Gramm pro Kopf und Tag