Die Windmühle von Königsbrück

Viele Bürger und Einwohner von Königsbrück werden gar nicht wissen, dass hier mal eine Windmühle ihr Tagewerk vollbracht hat.

Am 19. April 1866 hat der Amtsmaurermeister Reinhardt aus Königsbrück im Auftrag von Karl Gotthelf Schütze, einem Müller, Zeugarbeiter, Haus und Feldbesitzer von hier, beim Stadtrat den Bauantrag zur Errichtung einer Windmühle eingereicht. Diesem wurde in der Stadtratssitzung vom 17. Mai 1866 stattgegeben. Am 22. Mai 1866 forderte Reinhardt von den Abgeordneten Spindler und Endler die Aushändigung der eingereichten Baupläne und Zeichnungen zurück. Diese wurden ihm auch sofort übergeben. Danach konnten sie am 24. Mai 1866 der königlichen Brandversicherungsanstalt in Kamenz zur Prüfung vorgelegt werden. Nachdem die Pläne und Zeichnungen gemäß § 28a der Vollzugsverordnung vom 6. Juni 1863 geprüft worden waren, ist auch von dieser Stelle die Baugenehmigung am 31. Mai 1866 erteilt worden.

Nun stand dem Baubeginn nichts mehr im Weg. Der Standort des Bauwerkes befand sich auf Meissnischer Lehnsflur an der Höckendorfer Straße, ungefähr in Höhe des Einganges in die Kaserne. Dabei handelte es sich um eine hölzerne Mühle mit beweglichem Hauptgebäude. Dazu muss gesagt werden, dass das Gebäude im unteren Bereich rund gemauert war und einen Durchmesser von ca. 6,7 m hatte.

Der obere Teil, also der Teil, der beweglich war und immer in den Wind gedreht werden konnte, bestand aus einer Fachkonstruktion und wies die Maße von etwa 5,6 m x 6,5 m und eine Höhe von ca. 6,70 m auf. Beim Dach handelte es sich um ein Walmdach mit einer Firsthöhe von ungefähr 3,9 m. Die Gesamthöhe dieser, in ihrer Bauform seltenen Windmühle, belief sich auf rund 14,6 m. Diese Mühle wies 2 Gänge zum Mehl mahlen und einen Walzenstuhl, auf dem Mehl gemahlen wurde, auf.

Nach einer Bauzeit von rund 15 Monaten erfolgte am 7. Oktober 1867 der Probelauf der neu errichteten Windmühle.

Am 21. Oktober 1867 wurde von dem Besitzer Schütze an den Stadtrat der Antrag zur Revision des Neubaues gestellt, damit der Betrieb aufgenommen werden konnte.

Diese fand am 12. November 1867 statt. Dabei wurde festgestellt, dass das Mühlendach eine Weichdachdeckung (Schindeln) und keine Hartdachdeckung (Ziegel) hatte. Mit der Auflage, das Dach innerhalb von 4 Wochen umzudecken und einer Geldstrafe von 10 Talern, wurde ihm die Genehmigung zur Inbetriebnahme erteilt. Nun folgte ein ständiges Hin und Her um diese Bedachung zwischen dem Müller Schütze und dem Stadtrat. Dieser Streit dauerte bis zum 13. Februar 1871. An diesem Tag entschied der Brandversicherungs-Inspektor Löffler aus Kamenz, dass die Bedachung so bleiben kann wie sie ist. Ein Jahr nach dem die Mühle offiziell in Betrieb ging, ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. So schreibt Oberpfarrer Kirsch in einer Tageschronik: Am 16. November 1868 abends war die Frau des Bergbesitzers Richter (vor der Stadt auf Laußnitzer Flur) in Begleitung der Frau Wähnert (deren Mann jetzt das selbe Gut besitzt) zu der unweit ihres Grundstücks gelegenen Windmühle gegangen, um daselbst Mehl zu holen. In der Dunkelheit kam sie dem Flügel der in Gang befindlichen Mühle zu nahe und wurde von der selben so getroffen, dass sie einen Schädelbruch erlitt und auf der Stelle tot blieb. Zur gleichen Zeit stürzte ihre Begleiterin über die Schubkarre und brach sich den Arm. Ob dieser Vorfall für den Müller strafrechtliche Folgen hatte, ist leider nicht bekannt.

Ab dem 9. Februar 1889 erschienen in der Westlausitzer Zeitung Mitteilungen, das die Windmühle zu verkaufen sei. Zu dem Zeitpunkt hatte sich aber keiner dafür gefunden. Nachdem Gotthelf Schütze von Königsbrück nach Rotschönberg bei Deutschenbora gezogen war, veröffentlichte er nochmals eine Anzeige. Leider fand sie auch diesmal niemand, der sie kaufte. Anzunehmen ist, dass sich schon zu der Zeit das Gerücht verbreitet hatte, dass auf eben diesem Gelände die Kaserne gebaut werden sollte. Dies geschah dann auch im Jahre 1894. Zu welchem Zeitpunkt der Königl. Sächs. Staatsfiskus die Windmühle erworben - und für wie viel Geld - konnte leider nicht ermittelt werden. Am 25. November 1896 veröffentlichte der Staatsfiskus in der WZ eine Anzeige zum Abbruch der Windmühle.

Soviel zu einem Kleinod aus der Vergangenheit unserer Heimatstadt.

J. Klotzsche