140 Jahre Turnverein Königsbrück 1862 e.V.

Turnverein 1911Zum 140jährigen Jubiläum möchten wir Rückblick halten auf die Entwicklung unseres Turnvereins.

Am 9. April 1862 abends 20:00 Uhr fanden sich auf Einladung des Registrators Wunderlich im „Gasthof zum Schwarzen Adler" Freunde der Turnerei ein. Es wurde beschlossen, mit frischen Kräften das langgeschlummerte Turnen wieder auferstehen zu lassen.

Es hieß: „Jede Person, welche das 21. Lebensjahr zurückgelegt hat und im Rufe der Unbescholtenheit steht, kann als Mitglied aufgenommen werden."
Die Aufnahmegebühr betrug 7 Neugroschen und 5 Pfennig.
Die Geschäftsordnung wurde am 01. 12. 1862 von 42 Turnern unterschrieben. Gleichzeitig machte sich der Verein verbindlich, bei Entstehung eines Brandes in der Stadtkommune eine Rettungsmannschaft zu bilden.

Schon 1863 beteiligten sich 10 Mitglieder am großen Leipziger Turnfest.
Am 23. August 1863 wurde nach dem Leipziger Vorbild ein Turnfest in Königsbrück mit den Turnern aus Radeberg und Großröhrsdorf auf dem Gelände des derzeitigen Wärmegerätewerkes veranstaltet.

So aktiv wie unsere Vorfahren in der Anfangsphase waren, entwickelte sich der Turnbetrieb weiter.
Zahlreiche Stadtvergleiche und Meisterschaften wurden durchgeführt.
Erst nach 17 Jahren, im Jahre 1879, gelang es mit mühsam zusammengesparten Groschen, eine Vereinsfahne für 177 Mark, zur damaligen Zeit sehr viel Geld, anzuschaffen.

1912 feierte der Turnverein in Verbindung mit einem wohlgelungenen Gauturnfest sein 50jähriges Bestehen.
Voller Begeisterung erlebten viele Vereinsmitglieder 1913 die tollen Tage des Deutschen Turnfestes in Leipzig.

Die Vereinstätigkeit schrumpfte in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 immer mehr zusammen.
Aufbauarbeit nach dem I. Weltkrieg

Die Aufbauarbeit nach dem I. Weltkrieg war für den Turnverein sehr schwer.
Die Reihen der aktiven Turner waren durch die Kriegsopfer gelichtet.
Es fehlten Turnhalle, Turn- und Spielplatz.
Die in Jahrzehnten mühsam ersparten Geldmittel entwertete die Inflation.

Doch die turnerische Erfahrung der Alten mit grauem Haar, wie Karl Wendler und Franz Lange, und der vorwärtstreibende Tatendrang der Jugend sorgten bald wieder für das Aufleben des Turnvereins.

In der Sommerzeit wurde auf einem behelfsmäßigen Turnplatz am Königsbrücker Ostbahnhof und im Winter auf dem Schützenhofsaal geturnt.

Zum Glück konnte der Turnverein 1919 in Alfred Rost einen Oberturnwart gewinnen, der über Jahrzehnte als Turner und Sportler von großem Maße jedem Zweig der Turnerei gerecht wurde (Dieser Satz – eine Einschätzung von Oberlehrer Arthur Kießling).

Ab 1925 gehörten der Turnerei zeitweise auch

1 Schlagballmannschaft
1 Handballmannschaft und
1 Fußballmannschaft an.

Um für den Verein guten Nachwuchs zu gewinnen, wurde nach dem I. Weltkrieg aktiv und erfolgreich für das Kinderturnen geworben.

Die Entwicklung ging dahin, dass das Kinderturnen und die Spielabteilung zeitweise die stärksten und aktivsten Glieder des Vereins waren.
Der Turnwart Reppe mit seinen Helfern betreute jahrelang 200 Kinder in der Woche.

Die Königsbrücker Männerriege, unter den Oberturnwarten Rost, Hildebrand u. a., hatte bei Städtevergleichskämpfen z. B. gegen Kamenz, Radeberg und Großröhrsdorf in Ehren gekämpft und manchen Siegerkranz für Königsbrück geholt.

Um den Anforderungen der Zeit gewachsen zu bleiben, schickte der Verein auch in der Zeit von I. zum II. Weltkrieg Vorturner zur Ausbildung nach Dresden und Berlin.

Verdienstvolle Oberturnwarte waren außer Alfred Rost noch Herman Gräfe, Richard Hildebrand, Otto Gey, Walter Wolf, Oskar Richter, Max Pohl.

Höhepunkt im Vereinsleben war auch das 50jährige Fahnenjubiläum am 8. und 9. Juni 1929 mit Bezirksturnen, Schauturnen und Festumzug.

Die Turnerinnen-Abteilung wurde 1910 gegründet.

1928 waren es 64 Turnerinnen,

1933 waren es 63 Turnerinnen.

Ihre Turnwarte waren Hugo Michel, Willy Richter und Erhard Goldammer.

Wie ein roter Faden ziehen sich durch die langen Jahre Anregungen und Versuche, Platz und Turnhalle zu erhalten.
Immer bleibt es bei Hoffnungen und Enttäuschungen, z. B. wurde im Alten Lager eine Halle für 2 Jahre von 1932 bis 1934 eingerichtet, dann wurde sie vom Militär übernommen.

Schwere Aufgaben kamen auf den Turnverein in den Jahren vor dem II. Weltkrieg zu, er wurde 1936 in den NS-Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert.

1942 hatte der Verein 250 Mitglieder –
davon waren 105 Mitglieder bei der Wehrmacht,
59 Männer aktiv,
26 Frauen aktiv und
60 Kinder aktiv.

Die Turnerfamilie Rost (Alfred Rost mit Gattin und 2 Töchtern) u. a. arbeiteten unermüdlich an der Erhaltung des Turnbetriebes während des II. Weltkrieges.
Schwerer Anfang nach 1945

Nach dem II. Weltkrieg gab es wieder einen schweren Anfang für den Turnsport. Die erfahrenen Turner wie Erhard Goldammer und Max Pohl, unterstützt durch Günter Ziegler, Heinz Geier, Georg Kunze und Erna Böhme, ließen den Turnsport wieder aufleben.

In den 50iger Jahren begann es wieder mit dem Frauenturnsport.

Zu DDR-Zeiten wurde die Sektion Turnen der BSG „Motor Königsbrück" angegliedert und durch Renate Kreische in der BSG-Leitung vertreten.

Die Frauenturngruppe von Günter Ziegler wurde 1964 von Eberhard Kreische, damals und auch heute noch aktiver Turner bei Pentacon Dresden, als Übungsleiter übernommen.
In den ersten Jahrzehnten war in dieser Turngruppe das Geräteturnen vorrangig. Sie beteiligten sich in den Jahren 1960 bis 1980 alljährlich an dem Jahn-Gedächtnisturnen in Freiburg, an Athletikwettkämpfen und Kreismeisterschaften und stellten oft Sieger und belegten vordere Plätze.
Das Team um Eberhard Kreische wurde sogar einmal Bezirksmeister im Prellball.
Heute noch ist in dieser Gruppe außer Laufen und Gymnastik das Prellballspielen sehr beliebt.

Im Oktober 1969, zum 20. Jahrestag der DDR, wurde vom Gesundheitswesen eine zweite Turn- und Gymnastikgruppe unter der Leitung von Günter Ziegler gegründet.
Diese Gruppe wurde später von den Übungsleitern Karin Lißner, Birgit Franke und 1997 von Simone Pjater übernommen.
Seit damals wird aktiv Breitensport wie z. B. Gymnastik und Ballspiele betrieben.

1974 bildete sich eine weitere Turngruppe aus vorwiegend Lehrerinnen und Angehörigen des Wärmegerätewerkes unter der Leitung von Regina Knobloch. Diese Gruppe wurde 1977 von Margitta Klopsch übernommen.
Sie versteht es durch ihre abwechslungsreichen Übungsabende mit Popgymnastik, Laufen und Ballspielen, ihre Truppe im Alter von 30 bis 70 fit zu halten.

1982 entstand eine vierte Gruppe, eine Seniorengruppe, mit der Übungsleiterin Annemarie Michael, die 1985 von Charlotte Lißner übernommen wurde.
Die allwöchentlichen Übungsabende werden von ihr sehr abwechslungsreich und altersbezogen gestaltet.
Neuanfang nach der Wende

Nach der Wende, der Auflösung der BSG „Motor Königsbrück", wurde im Herbst 1990 auf Initiative von Eberhard Kreische der Turnverein wieder ins Leben gerufen und erhielt den traditionellen Namen „Turnverein Königsbrück 1862 e.V.".

Das Statut mit allen Rechten und Pflichten wurde im Herbst 1990 verabschiedet.

Die Vereinsfahne von 1879 überstand die Hürden der Zeit.
Obwohl nach dem Krieg zur stalinistischen Zeit die Aufbewahrung dieser Fahne strafrechtlich verfolgt wurde, bewahrte der alte Turner Artur Jurisch diese insgeheim auf und übergab sie später dem Turner Eberhard Kreische.
1979 zum 30jährigen Jubiläum der BSG „Motor Königsbrück" wurde die Fahne, die bereits 100 Jahre alt war, erstmals wieder gezeigt.
Eberhard Kreische hielt sie in Ehren und fertigte in aufwendiger Kleinarbeit nach altem Vorbild eine neue Fahnenspitze. Heute können wir die Vereinsfahne in alter bzw. neuer Schönheit präsentieren.

Von 1990 bis 1999 leitete die Sportfreundin Ursula Bernhardt unseren Turnverein, seit 2 Jahren ist die Sportfreundin Heike Hirrich Vereinsvorsitzende. Hauptkassiererin bzw. Schatzmeisterin war von 1990 bis 1996 die Sportfreundin Brunhilde Schwitzke und seit 1997 wird diese Funktion von Petra Meißner ausgeführt.

Alle vier Sportgruppen widmen sich mehr dem Breitensport wie Laufen, Gymnastik und Ballspielen sowie zu gewissen Anlässen auch der Geselligkeit.

Unser Verein hat 63 Mitglieder, davon sind 14% im Alter von 27 bis 40 Jahre, 40% im Alter von 41 bis 60 Jahre und 46% über 61 Jahre.

Mit großer Hochachtung möchten wir die Sportfreundinnen, die am längsten aktiv unseren Turnverein vertreten, wie
Renate Kreische (seit 1958),
Marga Ziegler (seit 1960) und
Christa Eckardt (seit 1962),
nennen sowie unsere Seniorengruppe mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren, die unter der Leitung von Charlotte Lißner noch mit sehr viel Freude und Ehrgeiz Sport treibt.
3 Mitglieder sind bereits über 80 Jahre.
Allen ehemaligen Funktionären und Übungsleitern, die mit viel Elan und sportlichem Ehrgeiz unseren Turnverein stets förderten, möchten wir für ihre geleistete Arbeit danken.

Dank gilt unseren jetzigen Funktionären, wie Heike Hirrich, Petra Meißner, der Revisionskommission mit Elfriede Maethner und Ursula Mai und vor allem unseren langjährigen Übungsleitern
Eberhard Kreische (seit 38 Jahren),
Margitta Klopsch (seit 25 Jahren),
Charlotte Lißner (seit 17 Jahren) und
Simone Pjater (seit 5 Jahren),
die mit viel Mühe und Ehrgeiz für uns alle interessante und abwechslungsreiche Sportabende gestalten.

Zu unserer Jubiläumsveranstaltung am 28. September 2002 verbrachten wir gemütliche Stunden, die für uns alle zu einem bleibenden Erlebnis wurden.