Ferienwohnung Landmann

Herr Norbert Landmann
Oststr. 12, 01936 Neukirch OT Weißbach Tel.: 035795 32079

Lobet den Herren mit Posaunen - 50 Jahre Posaunenchor der Ev.-luth. Kirchgemeinde Königsbrück

PosaunenchorIm Jahr 1953, als die DDR-Partei- und Staatsführung massiv die jungen Christen in den "Jungen Gemeinden" an der Ausübung ihres Glaubens behinderte und verfolgte und unmittelbar nach den Ereignissen des 17. Juni, gründete der junge Pfarrvikar Joachim Engemann zwei Posaunenchöre: den Höckendorfer und den Königsbrücker Posaunenchor! Joachim Engemann war erst kurz zuvor von Großgrabe kommend mit seiner Ehefrau Angela im Pfarrhaus Radeburger Straße 28 (jetzt Schloßstraße 28) eingezogen.

Ein in dieser Zeit im Königsbrücker Pfarrhaus anwesender Praktikant übernahm zunächst für sechs Wochen die Ausbildung der jungen Bläser. Da die zur Verfügung stehenden Instrumente nur ausgeliehen waren, bemühte sich Pfarrvikar Engemann um eigene, neue Blasinstrumente. Bereits im Oktober 1953 war sein ständiges Drängen und Telefonieren von Erfolg gekrönt: aus Markneukirchen trafen fünf Flügelhörner und ein Waldhorn ein.

Mit Begeisterung gingen die sechs jungen Bläser an das Erlernen der Noten und die Handhabung des Blechblasinstrumentes. So leicht wie es sich zunächst anhörte, war es gar nicht, dem Instrument einen Ton zu entlocken, ohne andere, Unbeteiligte zu erschrecken!

Zwar waren bei einigen der Anfänger durch Klavier- und Schulunterricht Musik- und Notenkenntnisse vorhanden, doch ein Blechblasinstrument hatte noch keiner in seinen Händen gehalten.

Da durch intensives Üben relativ schnell Fortschritte erzielt wurden, durfte der kleine Chor bereits im Gründungsjahr im Kirmesgottesdienst in Röhrsdorf (damals noch in Pätzolds Gasthof!) und am Heiligen Abend vom Turm der Hauptkirche blasen.

Auch das heute so intensiv gepflegte Ständchenblasen zu "runden" Geburtstagen, Silbernen und Goldenen Hochzeiten sowie anderen Familienjubiläen nahm im Jahr 1953 seinen Anfang. Das erste Ständchen des neu gegründeten Posaunenchors galt dem Ehepaar Max und Emma Hirrich (Großenhainer Straße) zur Goldenen Hochzeit.

Nach dem Weggang des Praktikanten hatte Pfarrvikar Engemann selbst die Ausbildung und Leitung des jungen Posaunenchores übernommen. Da es ihm jedoch nicht möglich war, regelmäßig die Übungsstunden zu leiten, da die Arbeit in den Gemeinden Königsbrück und Höckendorf sehr vielseitig und umfangreich war, wurde ein Leiter für den Chor gesucht.

Neuer Leiter für den Posaunenchor

In dem Berufsmusiker, Herrn Alfred Weirauch, fand man die geeignete Person, die den Chor sowohl leiten, als auch weiter ausbilden konnte.

Ab 1. Januar 1954 übernahm Herr Weirauch den Posaunenchor als Chorleiter.
In den drei Jahren, die er den Chor leitete und weiter ausbildete, verließ ein Bläser den Chor, zwei Bläserinnen und drei Bläser kamen hinzu, sodass der Posaunenchor im Dezember 1956 auf zwölf Chormitglieder angewachsen war, als Herr Weirauch die Chorleitung an Herrn Herrmann Böhme übergab.

Herr Böhme war Malermeister aus Königsbrück und während seiner Militärzeit Stabstrompeter im Militärmusikkorps. Nach 1945 war Herr Böhme auch im Stadtorchester der Stadt Königsbrück tätig. Als ausgebildeter Trompeter war er bestrebt, den jungen Musikern des Posaunenchores sein Können und musikalisches Wissen zu vermitteln. So wurden neben Chorälen, geistlicher Musik und Volksliedern auch kleine Werke der klassischen Musik einstudiert (z.B. der Priestermarsch aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte").

Infolge Krankheit gab Herr Böhme Anfang 1958 das Amt des Chorleiters ab. Durch Pfarrer J. Engemann wurde aus den Reihen der Bläserinnen und Bläser Günter Driesnack am 31. Januar 1958 als Chorleiter eingesetzt.

Landesposaunenfest 1958 und aufgefundene Kesselpauken

Ein bedeutendes Ereignis im Jahr 1958 war das 41. Landesposaunenfest der Sächsischen Posaunenmission in Dresden. Erstmals nahmen Bläser unseres Chores an einem solchen Fest teil, zu dem etwas über 2000 Bläserinnen und Bläser aus ganz Sachsen gekommen waren. Die jungen Posaunenchormitglieder aus Königsbrück hatten das große Glück, für den Festgottesdienst mit 250 anderen Bläsern in der Kreuzkirche eingeteilt worden zu sein. Das war für uns natürlich ein großes, unvergessliches Erlebnis! Es gab für unsere Chorarbeit mächtigen Auftrieb! Bezeichnend für die damalige Zeit: das Musizieren der mehr als 2000 Bläserinnen und Bläser auf dem Altmarkt durfte nicht stattfinden, sondern musste in der überfüllten Kreuzkirche abgehalten werden.

Ende 1958 wurden auf dem Dachboden der Hauptkirche zwei historische Kesselpauken entdeckt. Da diese Jahrzehnte nicht genutzt wurden, waren sie sehr verdreckt und die Felle der Pauken beschädigt. Neue Felle für diese Pauken zu bekommen, war damals ein großes Problem. Im ehemaligen Pfarrer von Königsbrück, Herrn Paul-Gerhardt Frenkel, fanden wir einen Helfer in der Not. Er beschaffte uns die dringend benötigten Felle für beide Pauken. Gottfried Hürrig, der leider viel zu früh 1993 verstarb, kümmerte sich eifrig um einen Spezialbetrieb, der in der Lage war, die Pauken zu restaurieren. Diese Kesselpauken bereicherten unsere Musiziermöglichkeiten. Sie wurden und werden auch heute noch zu festlichen Anlässen eingesetzt. Natürlich auch zu unserer Posaunenfeierstunde am Sonnabend, dem 21. Juni, sowie auch im Festgottesdienst am 22. Juni 2003!

Ausbildung von Nachwuchsbläserinnen und -bläsern

Durch zielgerichtete Ausbildung von weiblichen und männlichen Nachwuchsbläsern aller zwei bis drei Jahre wuchs der Posaunenchor bis zum 25-jährigen Bestehen 1978 auf 46 Chormitglieder an.
Darunter waren zwei Bläserinnen und acht Bläser aus Sacka. Diese bildeten in ihrer Gemeinde einen eigenen Posaunenchor, waren jedoch in Königsbrück ausgebildet worden und musizierten öfter auch mit dem Königsbrücker Posaunenchor.

Posaunenchor Anfänger
Anfänger gesucht!

Gegenwärtig besteht der Königsbrücker Posaunenchor aus 30 Mitgliedern, davon 6 Bläserinnen und 24 Bläser. An Instrumenten stehen Trompeten, Posaunen, Tenorhörner, Waldhörner, Tuba und Kesselpauken zur Verfügung. Leider hat der Chor zurzeit keine Anfänger, doch soll möglichst im kommenden Jahr wieder ein Anfängerlehrgang beginnen. Die Ausbildung der Anfänger, die möglichst das zehnte Lebensjahr vollendet haben oder älter sind, erfolgt kostenlos. Die Instrumente werden vom Posaunenchor zur Verfügung gestellt, ebenso die Noten.

Warum blasen bzw. musizieren wir in einem Posaunenchor?

Die Antwort findet sich an vielen Stellen in der Bibel. Bereits im 4. Buch Mose, Kapitel 10, 1 bis 2 erfolgt der biblische Auftrag für unseren Bläserdienst:

"Der Herr sagte zu Mose: 'Laß zwei Trompeten aus getriebenen Silber anfertigen. Mit ihnen soll man die Gemeinde zusammenrufen und auch das Zeichen zum Aufbruch geben'."

Dieser Auftrag hat heute noch die gleiche Bedeutung wie damals! Wenn vom Turm unserer Hauptkirche die Trompeten, Tenor- und Waldhörner, Posaunen und Tuba ertönen, dann rufen sie zum Gottesdienst, zur stillen Andacht oder wollen ganz einfach nur mit ihrem Klang an unseren Herren und Schöpfer erinnern!

Damit sind wir bei den Aufgaben eines Posaunenchores: Mitwirkung in den Gottesdiensten, bei kirchlichen Veranstaltungen wie Gemeindefesten, Ephoral- und Landesposaunenfesten, Kirchentagen; aber auch bei festlichen Anlässen in unserer Stadt, wie beispielsweise zu Stadtfesten, aber auch am Volkstrauertag am Mahnmal auf dem Scheibischen Berg.

Tag der Einheit 1990 und 750-Jahrfeier 1998

Ein unvergessliches Erlebnis in den 50 Jahren Posaunenchorgeschichte ist der 2./3. Oktober 1990, als die Einheit unseres Vaterlandes wiederhergestellt wurde. Aus diesem Anlass stiftete der Posaunenchor einen 6 m hohen Fahnenmast mit einer großen schwarz-rot-goldenen Flagge für den Markt. Dieser Fahnenmast mit Flagge wird seitdem jedes Jahr am 3. Oktober auf dem Markt aufgestellt und soll an den 3. Oktober 1990 erinnern.

Posaunenchor
Neben der Mitwirkung im Festgottesdienst am 2. Oktober abends in der Hauptkirche, begann kurz vor Mitternacht unser Auftritt auf dem Markt unter dem Fahnenmast. Nachdem die DDR-Flagge vom Mast eingeholt war, glitt zu den Klängen der Nationalhymne und dem Gesang der vielen Mitfeiernden "Einigkeit und Recht und Freiheit" langsam und feierlich die schwarz-rot-goldene Flagge am Mast empor. Mit der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel und dem Abbrennen eines Feuerwerkes sowie dem Choral "Nun danket alle Gott" klang das Musizieren aus.

In der jüngeren Vergangenheit war die Mitwirkung an der Eröffnungsfeier zum 750-jährigen Stadtjubiläum am 24. Juni 1998 auf dem Schlosshof ein besonderer Höhepunkt.

Posaunenchor im Regen
Auch hier wurde zu den Klängen der Feuerwerksmusik ein Feuerwerk abgebrannt. Anschließend vereinten sich alle an diesem Abend mitwirkenden Chöre zum Abschluss der beeindruckenden Feier mit Beethovens "Freude schöner Götterfunken" zum gemeinsamen Musizieren.

Es würde zu weit führen, wollte man alle besonderen Ereignisse und Dienste der vergangenen 50 Jahre hier aufführen. Erwähnt werden sollen allerdings noch die Kirchentage in Hamburg und Stuttgart.

Oosaunenchor
Ein Dankeschön den Bläserinnen, Bläsern und ihren Partnern

All die aufgeführten Dienste und Einsätze erfordern von den aktiven Blaserinnen und Bläsern ein großes Maß ihrer Freizeit! Das setzt auch ein entsprechendes Verständnis der Eltern, der Ehepartner, Freunde und Freundinnen voraus. Deshalb sei ihnen, aber auch allen aktiven Bläserinnen und Bläsern an dieser Stelle einmal ganz herzlich für ihr Verständnis und ihre Einsatzbereitschaft gedankt.

Damit die Angehörigen am Leben des Posaunenchores beteiligt werden, da sie jeden Freitagabend und oft an den Wochentagen bzw. sonntags allein zu Hause sind, werden hin und wieder Gartenfeste, Schlachtfeste, Ausflüge u.a. organisiert. Als noch genügend Nachwuchs in den Bläserfamilien da war, kam regelmäßig am Sonnabend vor dem 4. Advent der Weihnachtsmann zu den Kleinen ins Haus.

Posaunenfest am 21. und 22. Juni 2003

Die Vorbereitungen für das 50-jähirige Bestehen des Posaunenchores der Ev.-luth. Kirchgemeinde Königsbrück laufen seit Ende des vergangenen Jahres.
Für das Fest am Sonnabend, dem 21. Juni und am Sonntag, dem 22. Juni 2003 wurden alle Bläserinnen und Bläser, die irgendwann in den vergangenen 50 Jahren in unserem Chor ausgebildet wurden und mitgewirkt haben, eingeladen. Ein großer Teil dieser Ehemaligen hat zugesagt, zu unserem Fest zu kommen. Immerhin waren es einschließlich der jetzt aktiven Mitglieder insgesamt 135 Personen.

G. D.