Ferienwohnung Landmann

Herr Norbert Landmann
Oststr. 12, 01936 Neukirch OT Weißbach Tel.: 035795 32079

Einiges über die Stadttore und deren Entstehung in Königsbrück

Für die Gründung des Ortes Königsbrück bot sich unter Ausnutzung der natürlichen Schutzlage, auf dem Plateau über der Pulsnitz im Bereich der heutigen Schloßstr. ein trefflichst geeigneter Platz für eine gegen räuberische Überfälle geschützte Grenz- und Zollstelle zwischen der Oberlausitz und dem Bistum Meißen für diese Gegend an. Nach Süden und Westen hin bot der schroffe Abhang mit der Anhöhe zur Pulsnitz, und nach Norden der ziemlich steile Abhang zum erweiterten Käbnitztale ein natürliches Hindernis. Nur nach Osten verläuft der Platz in das Hintergelände.

Da der Ort gleichzeitig Kreuzungspunkt zwischen zwei wichtigen Handelsstr. war, kann man annehmen, daß sich im Laufe der Zeit eine Dienstsiedlung für den Durchgangsverkehr entwickelt hat. Zur Versorgung der Burgbesatzung und der durchziehenden Handelsleute mit ihren Wagen, haben sich nach und nach bestimmte Berufsgruppen hier niedergelassen. Dabei handelte es sich in erster Linie um Bäcker, Fleischer, Gastwirte, Schmiede, Stellmacher und Sattler zur Erledigung von Reparaturen und zur Beköstigung des fahrenden Volkes und der Soldaten. Man kann davon ausgehen, das die Handelsleute begonnen haben, an so einem Sammelpunkt, ihre Waren gegenseitig auszutauschen oder zu verkaufen, so das sich durch sie, auch die ersten Krämer vor Ort entwickelt haben.

Bei der Entwicklung der Dienstsiedlung zu einem städtischen Gemeinwesen kamen weitere Handwerke und Gewerbe hinzu, die vor allen Dingen der Eigenversorgung der ansässigen Bevölkerung und der umliegenden Dörfer diente. Damit waren alle Voraussetzungen gegeben, damit sich Märkte entwickeln konnten.

Aus der hiesigen Siedlung entwickelten sich bald die Stadt. In der Mitte der Fläche wurde ein weites Quadrat, der Markt, abgesteckt, an dem das Rathaus mit Verkaufsstellen errichtet wurde. Zum Markt, dem Kern der Stadt, führten rechtwinklig zwei westöstlich gerichtete parallele Verkehrsstraßen, die wieder rechtwinklig durch enge Quergassen verbunden waren. Der an Markt und Straßen grenzende Flächenraum wurde in schmale Baustellen für die Siedler zerlegt. Die errichteten schlichten Häuser kehrten ihre Giebelseiten den Straßen zu. Abseits von Markt und Verkehr, auf günstig ausgesuchtem Platz, liegt erhöht die ummauerte Kirch mit dem Friedhof auf einem stillen Fleck für sich. Man kann davon ausgehen, daß sich die Bevölkerung bei drohender Gefahr durch räuberische Truppen, in den Kirchhof zurückgezogen hat.

In einer Urkunde von König Johanns von Böhmen, Breslau, vom 19. Oktober 1331 wird Königsbrück als Stadt bezeichnet. Zu dieser Zeit war der Ort im Besitz des adligen Grundbesitzers Johann de Konigesbrucke.
Der Stadtgrundriß wird eindeutig von den sich in der Stadt kreuzenden zwei Fernhandelsstraßen und einem räumlich sehr großen Marktplatz bestimmt. ( 65 x 75m)
Dieser wurde vorrangig als Ausspanne und weniger als Handels und Marktplatz benutzt und war trotz seiner Größe, oftmals noch zu klein, daß er die Menge an Kauf und Handelswagen kaum fassen konnte. Besonders schlimm ist es gewesen, wen in Leipzig oder Frankfurt Markt abgehalten wurde. Dies zeugte von einem sehr regen Handelsverkehr durch die Stadt.
1490 erwarben die Herren von Königsbrück die da waren Hans, Nickel und Merten von Dohna, vom König Wladislaw von Böhmen einen Gnadenbrief, der der Herrschaft das Recht gab, sie mit Mauern, Türmen und Gräben zu befestigen, Märkte einzurichten und Zölle zu erheben. Das Marktrecht wurde nicht der Stadt verliehen, sondern unmittelbar den Besitzern von Königsbrück. Ob die Stadt jemals ummauert war, ist nicht nachweisbar. Es wird aber angenommen, daß dies nie geschah.
Durch Erhebung des Marktrechtes machte es sich erforderlich diese zu schützen und zu kontrollieren. Zu diesen Zwecke sind Stadttore angebracht worden.
Zum Schutz vor feindliche Truppen, spielten sie aber kaum eine Rolle. Unter dem Schutz und Schirm des dadurch entstandenen "befestigten" Platzes mag sich zeitig ein Marktverkehr entwickelt haben.
Es ist nachweisbar, daß die Stadt drei Stadttore besessen hatte. Eins befand sich, am Ende der heutigen Curt Tausch Straße zwischen der Fleischerei Leißner und dem Rundfunkgeschäft Wendorff, man bezeichnete es unter anderen als Schmorckauer Tor. Ein Zweites am Ende der heutigen Alten Post Straße zwischen Glas Beyer und dem Schreibwaren Geschäft Steglich, was auch als Kamenzer Tor erwähnt wird. Vor diesen beiden lagen die über 50 einfacher gebauten Häuser der Vorstadt. Das Dritte findet sich oberhalb vom Schloßberg zwischen der Diakonie Sozialstation und einem nicht mehr vorhandenen Haus, vor dem heutigen Eingang zur Kirche, genannt auch das Mühlen Tor.

Stadttor
Man vermutet, daß noch ein Viertes Tor zur Stadt gehörte. Es soll sich stadteinwärts vor der Baderbrücke befunden haben. Dies läßt sich aber noch nicht genau bestätigen. Da dieses auf den alten Karten nicht auszumachen ist, kann man vermuten, das es sich an dieser Stelle nur um einen Schlagbaum mit Wächterhäuschen gehandelt hat.
Des weiteren muß es noch etwas Kleinere gegeben haben, denn der Weg zur Hintergasse, zwischen Noske und der Sparkasse war sicherlich auch verschlossen. Ansonsten konnten ja die Handelleute, die keine Standgebühren und Durchgangszoll zahlen wollten, diesen benutzen.
In früherer Zeit mögen diese Tore rund um die Uhr bewacht worden sein. Sie bestanden aus einem Haupttor von 7 Ellen (ca. 4,0m) und einer Nebenpforte von 3 Ellen (ca. 1,70m) Breite. Sie hatten Schwibbögen und waren verschließbar. Außerdem befanden sich gewöhnlich sogenannte Torwärter- oder Wachhäuschen zusätzlich davor. Man kann auch annehmen, daß sich zum weiteren Aufhalten des Verkehres noch Schlagbäume gegeben haben muß. Das Passieren der Tore wurde aber in Laufe der Zeit weitgehend gelockert, so daß dann nur noch an bestimmten Tagen, wie zum Beispiel an Märkten, diese besetzt waren. Zu dieser Schlußfolgerung kommt man, wenn man sich die Stadtrechnungsbücher vom 18. Jahrhundert betrachtet. Zu der Zeit erscheinen nämlich nur noch Torwächter an Markttagen. Wenn Märkte angesetzt wurden, wie zum Beispiel der Viehmarkt, mußten sich die jeweiligen Händler vorher einen Schein auf dem Rathaus besorgen, auf dem festgeschrieben war, wieviel Stück Vieh sie verkaufen wollten. Eben diese Scheine wurden dann von den Torwächtern kontrolliert. Um 1830 erhielt der jeweilige Wächter 4 Groschen am Tag als Lohn. In diesem Jahr wurde der Viehmarkt am 28. Januar abgehalten, und die Personen die da an den Toren standen waren,: Johann Heinrich Fuchs, Johann Christoph Müller, Christian Friedrich Rentzsch und Gottfried Kühne.
Auch tauchen immer wieder mal in den Rechnungsbüchern Ausgabegelder zur Reparatur der Tore auf. So wurde z.Bsp. 1752 von dem Zimmerermeister Johann Hauschcke das Schmorckauer Tor neu gelattet und mit Schindeln gedeckt.
An Hand von Beschreibungen von verschiedenen Autoren läßt sich eine ungefähre Skizze anfertigen, wie diese einmal ausgesehen haben mögen. Wann man die Stadttore beseitigt hatte ist schwer zu ermitteln.
Anzunehmen ist, daß es nach dem Stadtbrand von 1847 geschehen ist.

recherchiert und niedergeschrieben von Herrn Jörg Klotzsche