Ausschreibung zur Bewirtschaftung der Abwasseranlagen

Bau der Kläranlage im Jahre 1994Wenn wir uns zurück erinnern an die „Wendezeit“ der Jahre 1989/90 war bis dahin die Abwasserentsorgung kein öffentliches Thema. Denn eine Abwasserentsorgung im Sinne der gesetzlichen Regelungen gab es nicht. In Königsbrück und in den Verbandsgemeinden gab es zwar zum Teil Kanäle, die jedoch das Abwasser (Grauwasser- ohne Fäkalien) ungeklärt in die Vorfluter, zum Beispiel die Pulsnitz, einleiteten. Grundstückseigentümer, die unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft eine mechanische Kleinkläranlage erstehen und einbauen konnten, durften sich glücklich schätzen, da sie damit den damaligen Komfort eines Badeinbaues mit WC erlangten. Aber selbst zu „DDR- Zeiten“ regelte schon die damalige TGL-Norm, dass eine mechanische Kleinkläranlage eine Behelfslösung darstellt. Auch wenn es noch nicht mal 30 Jahre her ist und für die junge Generation heute kaum noch vorstellbar, war das „Plumpsklo“ damals zum großen Teil der Standard.

Mit der politischen Wende gab es „über Nacht“ im Jahre 1990 auch in der Kommunalpolitik große Zukunftspläne mit den damit verbundenen Herausforderungen. In der Innenstadt von Königsbrück wurde mit dem Stadtsanierungsprogramm die Wohngebäudesanierung angeschoben. Voraussetzung für die Sanierungsarbeiten war eine geklärte Abwasserentsorgung, da besonders in der Innenstadt die sanitäre Ausstattung der Wohnungen fast ausschließlich auf einen geringen Standard begrenzt war. Eines der ersten kommunalen größeren Projekte war die Erschließung des Gewerbegebietes „Heideweg“ in Königsbrück oder in Laußnitz die Erschließung des Wohngebietes „Aidlinger Straße“. An allen Maßnahmen hing die Forderung einer gesicherten Erschließung, insbesondere der gegebenen Abwasserentsorgung.

Um diese Projekte umsetzen zu können, gründeten die Stadt Königsbrück mit den Gemeinden Laußnitz und den damals noch selbständigen Gemeinden Schmorkau und Weißbach den damaligen Abwasserverband Königsbrück. Durch das Ingenieurbüro IPRO Dresden wurde für das Verbandsgebiet eine Kanalplanung erarbeitet, das Büro Rudolph + Partner untersuchte die Standorte für eine zentrale Kläranlage und erstellte für diese die Planung. Die verantwortlichen Verbandsräte unter dem Vorsitz von Herrn Loeschke beschritten damals mutig neue Wege, indem die Errichtung und der Betrieb der zentralen Kläranlage über ein privates Betreibermodell ausgeschrieben wurden. Da die Abwasserentsorgung eine hoheitliche Aufgabe ist, war diese Entscheidung ein Novum, die gründlich durch das damalige Regierungspräsidium geprüft und genehmigt werden musste. Ein Vorteil der Nutzung dieses privaten Betreibermodells war, dass durch eine Betreiberfirma das gesamte Knowhow erworben wurde, um die Errichtung und einen geregelten Betrieb der Kläranlage zu gewährleisten.
Im Jahre 1992 wurde eine Ausschreibung durchgeführt, wobei der Bau der Kläranlage mit dem Zulaufpumpwerk auf dem Grünmetzweg sowie die Betreibung der Anlage über fast 25 Jahre Auftragsgegenstand waren. Das wirtschaftlichste Angebot gab damals die Fa. AWATECH GmbH ab, mit der ein Betreibervertrag zur Errichtung der Kläranlage und deren Betrieb bis zum 31.12.2017 geregelt wurde. Zwischenzeitlich erfolgte eine Umfirmierung in die OEWA Königsbrück GmbH. Mit Ende dieses Jahres läuft der Dienstleistungsvertrag mit der OEWA Königsbrück GmbH aus, so dass die Verbandsversammlung des AZV Königsbrück im Jahre 2015 eine Entscheidung zur weiteren Verfahrensweise treffen musste. Eine Verlängerung des Vertrages war aus kommunalrechtlicher und vergaberechtlicher Sicht nicht zulässig. Somit gab es nur die Möglichkeit, dass der Zweckverband die zentrale Kläranlage, die Ortskläranlagen, das Kanalnetz einschließlich Regenwasseranlagen und Sonderbauwerke in Eigenregie mit eigenem Personal betreibt oder zukünftig die technische Betriebsführung dieser Anlagen ausschreibt und einen Dienstleister beauftragt. Durch den AZV Königsbrück wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches die möglichen Varianten untersuchte. Dabei stellte sich klar heraus, dass ein Dienstleister diese Aufgabe kostengünstiger erfüllen kann, als wenn der AZV Königsbrück diese Leistung selbst ausführt. Beispielsweise kann ein Dienstleister, der auch andere Anlagen betreibt, günstigere Preiskonditionen mit Vertragspartnern aushandeln, als der AZV Königsbrück, der nur eine Anlage betreiben würde. Besonders die Gewährleistung einer 24h- Bereitschaft ist ein erheblicher Kostenfaktor, den ein Dienstleister mehrerer Anlagen kostengünstig beeinflussen kann.

Somit entschied die Verbandsversammlung im Dezember 2015 die Bewirtschaftung der Kläranlage sowie aller anderen Abwasseranlagen neu auszuschreiben.
Diese Ausschreibung wird derzeitig durch den AZV Königsbrück gemeinsam mit einem beauftragten Planungsbüro durchgeführt. Für die Geschäftsstellenleitung ist es oberstes Ziel langfristig eine zuverlässige, havariefreie Abwasserentsorgung zu sichern, wobei die Anlagen in einem einwandfreien Zustand gehalten werden. Um dieses Ziel zu erreichen, soll ein möglichst langfristiger Bewirtschaftungsvertrag von über 15 Jahren abgeschlossen werden. Durch diese vergaberechtlich sehr lange Zeit ist es den Bietern auch möglich günstigere Preise zu bieten als bei kürzeren Vertragslaufzeiten. Allerdings erfordern diese Kriterien eine europaweite Ausschreibung. In den nächsten Wochen können sich entsprechend leistungsstarke Unternehmen um die Teilnahme am Ausschreibungsprozeß bewerben.
Wir gehen davon aus, dass mit der Entscheidung zur Ausschreibung dieser Leistungen eine gute Weichenstellung für eine langfristig geordnete und bezahlbare Abwasserentsorgung getroffen wurde. Wir werden gern weiter von den Ergebnissen berichten.

Lars Mögel
Geschäftsstellenleiter
AZV Königsbrück