Die ehemalige Schützenhalle

Zur Geschichte der „kleinen Turnhalle"
Wie schon bekannt, wurde diese kleine Turnhalle neben der ehemaligen Berufsschule abgebrochen.
Ursprünglich wurde sie 1906 als Schützenhalle erbaut.

Schützenhalle später Turnhalle Schwanenteichschule 1990In einer alten Akte wird darüber folgendes berichtet:

„ Die private Schützengesellschaft zu Königsbrück hat im vorigen Jahre auf dem Plan des Schützenhauses eine Schützenhalle errichtet, welche den Zweck hat, der Gesellschaft und den Festgästen bei Abhaltung der Schützenfeste, sowie auch anderen Vereinen, auch der Schule bei Abhaltung der Schulfeste, bei Eintritt ungünstiger Witterung geschütztes Unterkommen zu bieten."

Die Baukosten haben ca. 3 400 M betragen. Hierauf sind 1100 M aus Gesellschaftsmitteln bezahlt. Der Rest der Baukosten nebst Zinsen ist noch zu bezahlen. Es liegt im Wunsche der Schützengesellschaft, dass die Abtragung der Schuld binnen ca. 10 Jahren erfolgen möchte.
Um diese Schulden zu tilgen, wurde beim Stadtrat beantragt, das alljährlich stattfindende Prämienschießen mit Gabenverlosungen zu verbinden. An der Verlosung sollen auch Nichtmitglieder der Gesellschaft durch Entnahme von Losen sich beteiligen dürfen. usw.

Schützenhalle - Laut dieser Anzeige wurde sie am 5. August 1906 feierlich eingeweiht.„Die Schützengesellschaft bittet höflichst, die Verlosung zu gestatten. Einer gütigen Gewährung der Bitte erlaubt sich entgegenzusehen.
Königsbrück, 9. Juli 1907

Hochachtungsvoll und ergebenst
Private Schützengesellschaft durch
A. Pabst, Vorstand."

Laut dieser Anzeige wurde sie am 5. August 1906 feierlich eingeweiht.

Wie diese Einweihung hier in Königsbrück vor über 100 Jahren festlich begangen wurde, zeigt ein Bericht aus der „Westlausitzer Zeitung", den ich hier ungekürzt wiedergeben möchte.

„Unsere Stadt prangte gestern und heute im Festschmuck: die privilegierte Schützengesellschaft beging in solenner Weise die festliche Ingebrauchnahme der von ihr auf dem Plane des Schützenhauses neu errichteten Schützenhalle.
Der ergangenen Einladung zur Teilnahme an dem Feste hatten die uniformier-ten Schützengesellschaften von Pulsnitz, Kamenz, Elstra, Bischofswerda, Stol-pen, Radeburg und Großenhain, zumeist recht zahlreich, Folge geleistet, so daß sich von 11 Uhr Mittag ab, als die auswärtigen Gilden nach und nach eintrafen, reges Leben entwickelte.
Der Festzug, an welchem außer den Schützen noch der Militärverein, die frei-willige Feuerwehr, der Männergesangsverein, der Turnverein, die Sanitätskol-lonne und eine Anzahl Festjungfrauen teilnahmen, bot mit seinen 13 im Zuge befindlichen Fahnen ein staatliches Bild.
Vom Aufstellungsorte, der Hohenthalstrasse ab nahm derselbe seinen Weg durch die Weißbacher-, Louisen- und Poststrasse nach dem Marktplatze. Hier begrüßte Herr Bürgermeister Leßmann die Festteilnehmer in längerer Rede, in welcher er die auswärtigen Gäste namens der Stadt aufs herzlichste willkommen hieß, die hohen idealen Aufgaben des Schützenwesens feierte und mit einem Hoch auf Se. Maj. den König, den Protektor des Wettinschützenbundes, schloß, in das die Versammlung lebhaft einstimmte.
Nachdem sich eine Deputation der Stadtgemeindevertretung und eine Deputat-ion des Offizierskorps der Reitenden Abteilung in den Zug eingereiht hatte, setz-te derselbe seinen Weg fort durch die Schloß-, Dresdner-, Markt-, König-, Louisen- und Kamenzer Straße nach dem Schützenhaus, wo er vor der neuen Schützenhalle Aufstellung nahm.
Namens der Königsbrücker Schützen sprach hier deren Vorsteher in herzlichen Worten allen denen den verbindlichsten Dank aus, die am Zustandekommen der Halle mitgewirkt, sowie allen denen, die durch Teilnahme am Feste dasselbe so schön zu gestalten beigetragen hatten, und Herr Baumeister Rewig, der Erbauer der Halle kennzeichnet bei Übergabe des Schlüssels der Halle sehr zutreffend den großen Fortschritt, den die neue stattliche Halle gegenüber dem früheren Schützenzelt darstellte.
Der Eindruck, den dieselbe im Festschmuck auf die eintretenden Festteilnehmer machte, war sichtlich ein wohlgefallender. In der Halle war eine stattliche Zahl wertvoller Ehrenpreise ausgestellt, die denjenigen winkten, die aus dem sich anschließenden Preisschießen als Sieger hervorgingen.
Die beste Leistung im Schießen hat Herr Hofmann, Bischofswerda. 57 Points,
die zweitbeste Herr A. Bernhardt, hier, 54 Points, bei 3 Schuß auf 20 Ringscheiben.
Abgesehen davon, daß der Festzug von einem kurzen heftigen Regenschauer betroffen wurde, war der Verlauf des Festes durchweg von echtem Schützenfrohsinn getragen. Dasselbe wird allen Teilnehmern noch lange in freundlichem Gedenken bleiben."

Schützen vor der Schützenhalle. Foto um 1930Am 30.11.1954 wurde in einer Stadtgemeinderatssitzung die Umsetzung der Schützenhalle beschlossen.
Darin heißt es u.a.:

„Kollege Moschke berichtet über die geplante Umsetzung des Schützenzeltes nach dem auszutauschenden Gelände an der Berufsschule. Die Möglichkeit der Umsetzung wurde durch ein Fachurteil festgestellt. Der Kostenanschlag lautet über 5 000,- DM. Da die Halle nicht , wie einst geplant war, auf dem Schulhof, sondern auf dem auszutauschenden Wiesengelände errichtet werden soll, entsteht ein Mehrbetrag in Höhe 3 500,-DM.
Zur Verfügung stehen vorläufig nur 6 000,-DM, der Restbetrag von 2 500,-DM soll im Januar 1955 beglichen werden. Stadtrat Schubert bringt hierbei zum Ausdruck, das die Umsetzung der Initiative des Berufsschullehrers Luschnat zu verdanken sei usw."
Kursivschrift ist Originaltext.

K. Kühne

Quellennachweis: Stadtarchiv
Akte XII-XIII-Nr.136 ab 1901
„WZ" vom 7.8.1906 Nr. 91
Stadtgemeinderatssitzung (Protokoll 30.11.1954 )