Zur Geschichte der Postsäulen in Königsbrück

Postkutsche 1872

Auf Anordnung des Kurfürsten August II. wurden Anfang des 18. Jahrhunderts im Land Sachsen die Verkehrswege vermessen und dokumentiert.

Er verfolgte damit die Absicht, die Hauptstraßen übersichtlich mit Entfernungsangaben zu versehen.
Die Kosten, die dabei entstanden, mußten die jeweiligen Städte und Standesherrschaften tragen.
Als im Oktober 1724 der Herr Grentzkommisarius Zürner mit insgesamt 6 Leuten in der Stadt war, um die Vorbereitungen zum Setzen der zwei für Königsbrück bestimmten Post-Meilensäulen zu treffen, ist er im Gasthof "Zum roten Hirsch", dessen Wirt ein Herr Christian Keyling war, abgestiegen.
Er befand sich dafür vom 25.Oktober abends bis zum 27. Oktober mittags im Ort.

Als Beispiel dafür, was er und seine Leute so verzehrt haben, sei das Mittagsmahl von 26.10 erwähnt.
Da waren : für 6gr. Wein Suppe, für 12 gr. einen Haasen, für 12 gr. 2 Hühner und 3 Pfund Rindfleisch, für 8 gr. Bier, 5 Kannen Wein, 2 Karpfen und Salat, für 2 gr. Pflaumen zum Zugenuß, für 4 gr. Butter, Brot und Holländischen Käse, für 6 gr. Schweinefleisch und Kraut, Kartoffeln und Kraut für 8 gr., für 6 gr. Bier und Branntwein und nochmals Butter, Käse und Brot für 6 gr.. Hinzu kam noch für die ganze Zeit das Futter für die Pferde, so daß sich am Ende eine Rechnung von 13 Taler 11Groschen und 6 Pfennig ergab.

Als festgelegt war, an welchen Standort und was auf die jeweilige Säule zu kommen hat, wurden diese zwei im November 1724 in Dresden von den Steinmetzen Johann Adam Hamm und Gottlieb Kretschmar gefertigt.

Die Beschreibung für die aus Sandstein gefertigten Säulen war folgende:
Auf 4 Seiten Wappen und Schrift mit Zacken, Postament, Fuß und Brustgesims. Schriften und Wappen sind in ihren Maßen anbefohlen worden.

Für diese Arbeit bekamen sie 50 Taler aus der Stadtkasse.
Als Standorte wurden gewählt:
Eine an der rechten Seite stadtaußwährts nach der Baderbrücke (damals auch genannt die "Steinerne Brücke") und die zweite am Anfang von der Schmorckauer Gasse hinter dem Hoyerswerdaer Tor (an der Ecke beim heutigen Schuhhaus Morenz Weißbacher Straße).

Hätte man sich genau nach kurfürstlichen Befehl gerichtet, so würde auch vor dem Mühltor eine Distanzsäule aufgerichtet werden müssen.
Doch wurde festgestellt, das eine Benutzung dieses Tores bei angeschwollenen Wasser, sowohl zu Sommerszeit, als auch im Winter, wen es Eis ist, und tiefer Schnee liegt, ganz unmöglich ist.
Deshalb kam man zu dem Schluß, das an dieser Stelle eine Säule völlig fehl am Platz wäre.

Mitte Mai 1725 sind diese Säulen in Einzelteilen von Christoph Brückner mit drei Pferdefuhren von Dresden nach Königsbrück geholt worden.
Er bekam dafür je Fuhre drei Taler.
Von diesem Geld mußte er aber auch seine Gehilfen bezahlen.

Postsäule (gezeichnet von J.Klotzsche - 2002)Nachdem die Vorbereitungen, wie zum Beispiel das Anfertigen von 12 Klammern und 6 Dübeln von dem Schmiede Michael Kretzschmar, für die er 2 Taler, 10 Groschen und 3 Pfennig bekam, abgeschlossen waren, begann man Ende Mai 1725 mit dem Setzen der Säulen.

Diese Arbeiten wurden unter der Leitung des Maurermeisters Johann Casper Eckertt durchgeführt.

Als Vorarbeit zum Setzen haben 2 Mann, die da waren, Hans Bartsch und Jacob Barig, die Gruben für das Fundament ausgegraben.
Diese wurden dann mit insgesammt mit 23 Fuhren Steinen und 4 Fuder Lehm je Grube verfüllt. Die Kosten beliefen sich dafür auf 3 Taler 2 Groschen.
Der Meister benötigte 4 Mann als Handlanger um die einzelnen Blöcke an ihren Bestimmungsort abzuladen und aufzusetzen.

Nachdem der Meister und 4 Handlanger die jeweilige Säule an ihren Bestimmungsort abgeladen hatten, begannen eben diese Leute mit dem Setzen der selben.
In jedes Einzelteil kam ein eisener Dübel, welche mit insgesamt 10 Pfund Blei vergossen wurden.
Als Bindemittel zwischen den Teilen benutzte man ein Gemisch aus Eiern, Quark und Rinderblut.
Damit die Säulen nicht umkippten, solange das Bindmittel noch nicht fest war, legte man an jede Seite der Säule je einen großen Steine.
Nachdem das Gemisch ausgehärtet war, was einige Tage gedauert haben mag, wurden diese eingerüstet.
Das Rüstmaterial, welches bestand aus 12 Rüstböcken verbunden mit Seilen, lieferten Martin Weise und Andreas Märcker.

Um die Säulen, die sich ja noch im Rohzustand befanden, ansehnlich und ansprechend zu gestalten, wurde die Schrift und das Wappen vom hießigen Maler Christian Friedrich Seitz aus bzw. angemalt.
Er benutzte dazu Gold, Oel und Farbe.
Die Materialkosten beliefen sich für beide Säulen dazu auf 16 Taler.
Hinzu kommen noch 15 Taler Arbeitslohn.
Beendet waren all diese Arbeiten etwa am 03.oder 04 Juni 1725.

Summa Summarum ergibt sich eine Rechnung von allen angefallenen Kosten für die Stadt von 125 Talern, 3 Groschen und 9 Pfennig.

Es ist gut vorstellbar, das die Stadtväter bei dieser immens großen Summe für damalige Zeit ganz schön gestöhnt haben.
Aber es half alles nichts.
Sie mußten auf Erlaß des Kurfürsten diese Kosten tragen.

Ein sehr langes Leben war den zwei Postsäulen aber nicht vergönnt.
Schon im Jahre 1880 hat die hiesige Staatsstraßenverwaltung selbige als unnütz und verkehrsgefährdend eingestuft.
Nun hatte man nichts Eiligeres zu tun als sie zu entfernen.
Wo sie hingekommen sind und zu welchen Zweck sie benutzt wurden, darüber lässt sich nur spekulieren.
Sicher ist, daß zu damaliger Zeit nichts weggeworfen wurde.

recherchiert und niedergeschrieben von Herrn Jörg Klotzsche