Ferienwohnung Landmann

Herr Norbert Landmann
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50 Jahre Röhrsdorfer Parkfest

 

Ein ganz besonderes Jubiläum beging zu Pfingsten 2004 der seit 1994 zur Stadt Königsbrück gehörende Ortsteil Röhrsdorf.
Vom 29. bis 31. Mai 2004 fand im historischen Röhrsdorfer Schlosspark, dem Hauptwahrzeichen des im äußersten Westen des Landkreises Kamenz gelegenen Ortes, das 50-jährige Parkfestjubiläum statt.

Zur Geschichte
Das Jahr 1954 war in Deutschland von einem großartigen und unvergesslichen Sportereignis geprägt, in dem Fußballgeschichte geschrieben worden ist.
Ganz Deutschland stand am Sonntag, dem 4. Juli 1954, im Banne des Endspiels um die V. Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Ungarn. Vor 65.000 Zuschauern im Wankdorfstadion zu Bern/Schweiz kämpfte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, unter der Führung ihres Kapitäns, Fritz Walter, gegen die ungarische Nationalelf, unter der Führung von Ferenc Puskas. Ein taktisch klug und kämpferisch, mit hohem Einsatz geführtes Spiel brachte durch das von Helmut Rahn in der 84. Spielminute erzielte Tor, nach 90 Minuten Spielzeit, mit einem 3:2 gegen Ungarn, den ersehnten Sieg und damit erstmals in der deutschen Geschichte unserem Land den Weltmeistertitel.
Noch heute klingt der Ausruf in der Rundfunkreportage des damaligen Sportreporters, Herbert Zimmermann, nach dem ersehnten Schlusspfiff des Schiedsrichters, Mister Ling aus England, nach: "Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!" Das Unglaubliche wurde wahr, das Unerwartete Wirklichkeit! Der Fußball-Weltmeister 1954 hieß Deutschland! Dieser großartige Sieg wurde in Deutschland mit großem Jubel und überschäumender Freude aufgenommen, brachte er doch in den schweren Nachkriegsjahren der von gewaltigen Alltagssorgen geplagten deutschen Nation wieder Zukunftsoptimismus, eine großartige Aufbruchstimmung und festen Glauben an das Gelingen eines Wiederaufbaus des vom Krieg stark zerstörten Landes. Durch "das Wunder von Bern" wurde das Gefühl, "wir sind wer", zum Antriebsmotor für die Menschen einer ganzen Nation.

Die Nachricht vom Sieg der deutschen Nationalelf erreichte kurz nach Spielende die Röhrsdorfer Bevölkerung, die an diesem 4. Juli 1954, gemeinsam mit ihren Gästen, unter der Schirmherrschaft des früheren Röhrsdorfer Bürgermeisters, Ewald Knof und mit Unterstützung der Ortsgruppe der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), im historischen Röhrsdorfer Schlosspark ihr erstes Parkfest beging. In der Gemeinsamkeit mit den vielen auswärtigen Besuchern, die überwiegend aus den Nachbarorten Sacka, Tauscha, Laußnitz und Königsbrück gekommen waren, darunter auch ehemalige Bewohner der früheren Orte Krakau, Sella, Zochau, Steinborn und Bohra der 1938 aufgelösten Kirchengemeinde Krakau, wurde das Parkfest unter reger Beteiligung und großem Anklang gefeiert.

Den Auftakt bildete ein mit prächtigen Blumengirlanden, grün-weißen Sachsenfahnen und Transparenten geschmückter, von Kindern aller Schulklassen der Röhrsdorfer Grundschule farbenfroh und kostümreich gestalteter Festzug, in dem auch die Vorschulkinder aus dem Erntekindergarten und die jüngsten Dorfbewohner, in blumengeschmückten Handwagen gezogen, mitwirkten.

Mit einer Blaskapelle bewegte sich der Festzug, der viel Lebensfreude und frohe Erwartung ausstrahlte, von der Grundschule, durch das Spalier der den Straßen-rand säumenden Festbesucher, in den Schlosspark. Auf der Festwiese des Parkes erwartete die Besucher ein vielfältiges und abwechslungsreiches Kultur- und Sportprogramm, aber auch Gemeinschaftsspiele, Armbrust-Adlerschießen und Kinderbelustigungen sowie Imbiss- und Getränkestände.
Damit gestaltete sich das erste Röhrsdorfer Parkfest, mit der vom deutschen Sieg der Fußballweltmeisterschaft auch mit geprägten Stimmung, zu einem fröhlichen Beisammensein der Röhrsdorfer Bevölkerung mit ihren Gästen.
Dabei waren die Auftritte der Bändertanzgruppe, der Männerchöre aus den Nachbarorten Sacka und Tauscha und die Sportvorführungen der Leichtathletik-Jugendsportgruppe Sacka, die besonderen Höhepunkte des Festes.

Den Abschluss bildete ein Tanzvergnügen auf der von den Röhrsdorfer Zimmerleuten vor dem Parkpavillon errichteten Tanzdiele und für die Kinder ein Lampionumzug durch das Dorf. Bei ausgelassener Fröhlichkeit und großartiger Stimmung klang dieser bedeutungsvolle und erlebnisreiche Julisonntag und mit ihm das 1. Röhrsdorfer Parkfest zu fortgeschrittener Stunde im Schlosspark aus.

Nach einigen Jahren in Folge fanden die jährlichen Parkfeste 1958 vorerst letztmalig statt. Waren doch zum Parkfest stets auch viele ehemalige Bewohner der früheren Ortschaften des aufgelösten Kirchspiels Krakau nach Röhrsdorf gekommen, um hier ihrer alten Heimat ganz nahe zu sein.
Verständlich waren dabei deren Hoffnungen und Wünsche, ihre früheren Heimatorte sowie den Krakauer Friedhof einmal besuchen zu dürfen.
Diese Erwartungen brachten einige Besucher in ihren Reden auf den Parkfesten der ersten Jahre stets zum Ausdruck, so dass das Parkfest in jenen Jahren den Eindruck eines "Heimattreffens" vermittelte.
Da sich jedoch in unmittelbarer Röhrsdorfer Ortsnähe die westliche Geländegrenze des Truppenübungsplatzes Königsbrück befand, an der in Sichtweite vom Röhrsdorfer Schlosspark mehrere Einrichtungen der Sowjetarmee entstanden, wurde aus Gründen der militärischen Sicherheit, durch die zuständigen staatlichen Behörden, dem Ort Röhrsdorf die Auflage erteilt, die "Bestrebungen nach Heimattreffen" mit aller Konsequenz zu unterbinden, so dass die Parkfeste ab 1959 ausgesetzt wurden. Im Jahre 1962 kam es in einfacher Form noch einmal zur Durchführung des Parkfestes, doch danach wurde es wieder still um dieses Fest.

Nach der 1965 erfolgten Umgestaltung der früheren Röhrsdorfer Grundschule zum Kulturhaus der Gemeinde, fand auf Anregung und in Verantwortlichkeit der damaligen Kulturhausleiterin, Frau Hanni Laubsch, zu Pfingsten 1967 erstmals ein Frühschoppen in der Naturkulisse des Röhrsdorfer Schlossparkes statt.
Dies war der Auftakt zur Weiterführung des einige Jahre ausgesetzten, traditionellen Parkfestes.
Durch die großartige Resonanz, die diese Veranstaltung, inmitten einer idyllischen Parklandschaft, in der Bevölkerung und bei ihren Gästen fand und die sich in den nachfolgenden Jahren einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreute, konnte bereits schon ab 1970 allmählich wieder an die ursprüngliche Form der vorangegangenen Parkfeste angeknüpft werden.
Mit den zunehmenden Besucherzahlen erfolgte auch eine ständige Erweiterung des kulturellen Angebotes und Vergrößerung des Festplatzes zu den Parkfesten, schließlich ab 1981 die Erweiterung von ursprünglich einem Festtag, auf nunmehr drei Parkfesttage, an denen die auswärtigen Besucher auch die Röhrsdorfer Gastlichkeit und Gemütlichkeit genießen können.
Fanden die ersten Parkfeste stets zu Beginn der Schulsommerferien, Anfang Juli statt, so wurden sie ab 1967 auf Pfingsten verlegt.
In den Anfangsjahren war es die Lehrerschaft der Röhrsdorfer Grundschule, die in der Gemeinde das Parkfest organisierte und durchführte, danach übernahm die Kulturhausleitung ab 1967 diese Aufgabe.
Seit 1981 erfolgt nun die Organisation und Durchführung des alljährlich zu Pfingsten stattfindenden Parkfestes durch den 1980 gegründeten "Dorfklub Röhrsdorf e.V.", der seit seiner Gründung von Frau Angelika Knof mit großem Engagement und Erfolg geleitet wird.
Damit leistet der Dorfklub, in Zusammenwirken und mit Unterstützung der örtlichen Vereine, einen bedeutsamen Beitrag zur Traditionspflege und Bereicherung des kulturellen Lebens im Ort und trägt auch entscheidend dazu bei, den seit 1974 unter Naturschutz stehenden Röhrsdorfer Schlosspark, als Hauptwahrzeichen des Ortes und Zeugnis der Ortsgeschichte, in seiner ursprünglichen Form zu bewahren.
Dabei bietet der Schlosspark auch die Möglichkeit zu einem ausgedehnten Spaziergang auf dem Rundweg durch das Parkensemble, bei dem man die von ihm ausgehende Ruhe und Stille genießen und so manches Zeugnis der Ortsgeschichte entdecken kann. Nahe des Parkrundweges befindet sich auch die Gedenkstätte des letzten Röhrsdorfer Rittergutbesitzers und Begründers des modernen deutschen Bahnhofsbuchhandels, Kommerzienrat Jacques Bettenhausen, dessen Leben und Wirken, wie auch die Geschichte des Röhrsdorfer Parkes und Schlosses, in der "Chronik des Ortes Röhrsdorf" beschrieben ist.

Seit nunmehr 50 Jahren ist das Röhrsdorfer Parkfest, das an seinen Festtagen zu frohen, unbeschwerten und erlebnisreichen Stunden einlädt, zu einer festen Tradition des Ortes geworden und bildet all-jährlich den Höhepunkt im kulturellen Leben der Bevölkerung. Möge sich daher das weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte und beliebte Fest seine jahrzehntelange Tradition bewahren und sich der Schlosspark, als Stätte der Begegnung und Entspannung, zu einem Zentrum vielfältiger kultureller Veranstaltungen, zur Freude seiner Besucher fortentwickeln.

Hans-Dieter Wallbach