Ferienwohnung Landmann

Herr Norbert Landmann
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Lichtspieltheater Königsbrück

1912 - Erstes ständige Lichtspieltheater
Heute möchte ich an ein besonderes Jubiläum erinnern, dass bei vielen älteren Königsbrücker Bürgern sicher schöne Erinnerungen wecken wird – unser altes Kino.
Schon seit 1907 gab es laut Gewerberegister in Königsbrück in regelmäßigen Abständen kinematographische Aufführungen. Als Vorführungsraum diente damals der Saal des Gasthofes zum „Goldenen Hirsch". Im Jahre 1912 richtete der Dresdner, Karl Mucka dort ein ständiges Lichtspielhaus ein und eröffnete es am 9. November 1912.
Dieses wurde in der Westlausitzer Zeitung" mit folgenden Anzeigen bekannt gegeben:

„Ein ständiges Lichtspielhaus wird am kommenden Sonnabend in Königsbrück seine Pforten öffnen. Der Saal des „Gasthofs zum Hirsch" ist vergrößert und zu einem schönen Kinolokal umgewandelt worden. Der in ruhigen, warmen Farben gehaltene Raum macht einen behaglichen Eindruck und die Besucher werden sich bestimmt recht wohl fühlen. usw."

Lichtspieltheater - Anzeige „WZ" vom 9.11.1912

und
„ Das Eröffnungsprogramm des ersten ständigen Lichtspielhauses im Gasthof zum Hirsch enthält eine überaus reiche Fülle der prächtigsten Bilder kinomatographischer Darstellungskunst. Malerische Landschaftsaufnahmen wechseln ab mit fesselnden dramatischen Motiven, und auch der köstliche Humor gelangt in vollstem Maße zu seinem Rechte. Die Vorstellungen versprechen eine recht angenehme Unterhaltung zu werden. Ein Besuch der Vorstellung kann deshalb Freunden guter kinomatographischer Darbietungen empfohlen werden. Der Eintritt zu den Vorstellungen kann fortgesetzt vor sich gehen, da ununterbrochen gespielt wird. An eine bestimmte Zeit des Kommens ist man nicht gebunden."

Ein Regulativ über kinematographische Vorführungen wurde im Jahre 1913 im Kamenzer Tageblatt vom 02.11.1913 Nr. 255 veröffentlicht. Darin heißt es:
„Zur Verhütung von Gefährdungen der Bevölkerung, ins besondere der Jugend durch die Vorführung kinematographischer Darstellungen ordnet die Königliche Amtshauptmannschaft an: z.B. in
§. 1.
Kinematographische Bilder einschließlich der begleitenden Worte dürfen in öffentlichen Schaustellungen nur vorgeführt werden, nachdem sie auf ihre Unbedenklichkeit hin geprüft und für einwandfrei befunden wurden sind.
§. 2
Mindestens am Tage vor der ersten Aufführung, damit die erforderliche Prüfung vorgenommen werden kann, sind die Titel, etwaige Untertitel, Bilder usw. bei der Ortspolizeibehörde einzureichen (Stadtrat, Bürgermeister Gutsvorsteher). Zur Begutachtung können der Schuldirektor, Lehrer hinzugezogen werden. usw.

Der Königsbrücker Bürgermeister Leßmann teilte demzufolge der Königl. Amtshauptmannschaft 1913 mit: „Die Bilder und Texte der kinematographischen Vorführungen werden von mir geprüft, für Jugendvorstellungen gemeinsam mit dem Schuldirektor und dem Lehrerkollegium." 1916 übernahm diese Aufgabe der Rechtsanwalt Hempel.

Im Jahre 1915 war das Kinematographentheater im Hirsch zeitweise geschlossen, weil die vorhandenen Vorrichtungen nicht in genügender Weise mehr den Anforderungen entsprachen. Deshalb fanden auch im Hotel „Schwarzer Adler" kinematographische Vorstellungen statt. Der Saal diente als Zuschauerraum und auf der Galerie wurde ein Eisenblechhäuschen als Apparateraum aufgestellt.
Von 1918 bis ca. 1927 hatte Königsbrück laut eines Berichtes zwei Kinematographentheater. Die Vorstellungen wurden infolge der starken Belegung des TÜP auch vorwiegend von Militärpersonen und deren Gästen besucht.
Karl Mucka verkaufte 1918 das ständige Lichtspielhaus an die Witwe Frau Auguste Lina Führlich, Besitzerin des Gasthauses „Goldener Hirsch". Führlich baute im Jahre 1925 den Kinosaal vollständig um. Neuer Fußboden und neue Dampfheizung wurden gelegt, die Sitzplatzzahl von 160 auf 260 erhöht, wobei ledergepolsterte Klappstühle angeschafft und die Decke mit Stuckverzierungen versehen wurden. Der Besitzer ließ es sich angelegen sein, mit den filmtechnischen Erneuerungen jederzeit Schritt zu halten.

So wurde schon im Jahre 1930 eine Tonfimlanlage eingebaut und der erste Tonfilm „Zwei Herzen im ¾ Takt" war ein großer Erfolg. 1933 Erneuerung des Lichttongerätes, wodurch man eine gute Tonwiedergabe erreichte. Durch regelmäßige Kontrollen wurden immer wieder einige Mängel im Vorführungs- und Zuschauerraum festgestellt und beseitigt.

1947 erfolgte der Umbau der Gaststätte zur Sparkasse, das Kino aber blieb bestehen.

1947 erfolgte der Umbau der Gaststätte zur Sparkasse, das Kino aber blieb bestehen. In einem Bericht vom 24.9. 1957 heißt es: „ Seit Jahren werden Anstrengungen unternommen, um ein neues Objekt für diesen Zweck zu erhalten. Schwierigkeiten bereiteten im wesentlichen die Finanzfrage. Die Feuerschutz- und Baupolizei hat mehrmals Beanstandungen, die sogar einmal zur Schließung des Kinos führen sollten, festgestellt. Vor ca. 2 Jahren wurden die Sitzplätze verändert und auch in diesem Jahre ist eine vollkommene Renovierung unternommen wurden. Nach wie vor bleibt das Lichtspieltheater in Königsbrück mit seinen ca. 250 Plätzen ein unzureichendes Objekt. (St.Gem. 24.9.1957 Protokoll- Bericht)

Wegen Baufälligkeit wurde dann aber das Lichtspielhaus ab 2. Januar 1961 geschlossen und in der Stadtgemeinderatssitzung vom 4.12.1962 der Abbruch des Kinosaales beschlossen.

Von Abbruch desw Lichtspielhauses im Jahre 1966 sind vom Fotograf Schmidt noch einige Bilddokumente erhalten.

Von diesem Abbruch im Jahre 1966 sind vom Fotograf Schmidt noch einige Bilddokumente erhalten. Fotograf: Walter Schmidt

An dieser Stelle erbaute man ein Wohnhaus, das im Jahre 1968 seiner Bestimmung übergeben wurde.

K. Kühne

Quellen: Stadtarchiv
- Akten des Stadtrats zu Königsbrück Kinematographische Vorführungen
Abtlg. XII Abschnitt: V Nr. 82 von 1913 - 1936
- „WZ" von 1912 bis 1938
- Gemeinderats-Protokolle vom 6.12.1960 und 14.5.1963

Für die Bereitstellung von Schriftstücken usw. bedanke ich mich recht herzlich bei Frau Steckel.