Firma Veit Köckritz: Siebzig Jahre

Wer hätte das gedacht?

Als Hermann Köckritz sein Fuhrgeschäft für Lohnware und den Kohlehandel am 29. Februar 1932 eröffnete, befand er sich in fast der gleichen Gründersituation, in der auch heutige Neueinsteiger noch nicht wissen, ob es gelingt, die Firma wachsen zu lassen. Doch 2002 lassen siebzig erfolgreiche, schwere und auch schöne Jahre einen Rückblick zu. Dieses Königsbrücker Familienunternehmen wurde dann ab dem 21. April 1947 von Gerhard Köckritz bis zum 1. Juni 1988 geführt, bevor in dritter Generation Veit Köckritz das Lenk- und Steuerrad in die Hand nahm.

Gewerbeanzeigebescheinigung für die Geschäftsübernahme Gerhard Köckritz' 1947

„Bestellen Sie Holz und Kohle, vertrauen Sie uns - wir liefern an!" So ähnlich lautete der Werbespruch aus den dreißiger Jahren. Im strengen Winter 1932 waren ein 3-Tonnen-Mercedes und ein Pferdefuhrwerk bis in die umliegenden Dörfer unterwegs, um den Wunsch nach „heimischer" Wärme zu erfüllen. Die Besonderheiten der damaligen Zeit haben auch Parallelen zum 21. Jahrhundert: Unlauterer Wettbewerb, bestraft durch das Finanzamt Radeberg, gab es damals auch schon - Preisunterschiede von einem Reichspfennig (1,00 RM anstelle genehmigter 1,01 RM) waren strafbar. Hermann Köckritz mußte es ausbaden.

Erfolge werden durch Fleiß, Zeit und Geduld erreicht - die Firma Köckritz leistete sich im Jahre 1937 den Einbau der Fuhrwerkswaage.

Die Lebensgeschichte der Firma lässt sich mit der Zeitgeschichte vergleichen und diese ging auch nicht spurlos an der Familie Köckritz vorüber. Beide Köckritz - Söhne Gerhard & Rudi mussten mit einem Fahrzeug in den Krieg. Leider überstand nur Gerhard diese schreckliche Zeit. Für den weiteren Bestand des „Lohnfuhrunternehmens" entstanden Existenznöte, denn der eine LKW blieb im Feld und den zweiten konfiszierte noch 1945 die Wehrmacht.

Es musste wieder, wie bei so vielen anderen, von vorn losgehen. Der Neustart hatte als Startkapital einen Anhänger ohne Bereifung und deshalb baute man den Wanderer (Bj. 1930) zum Transporter um und bekam für den Hänger eine Zulassung „von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang", da die Beleuchtung fehlte.

Viel fachmännisches Basteln verstärkte den Eigenbau-Fuhrpark mit einem Krupp-LKW, welchen wir zu festlichen Anlässen auf den Königsbrücker Straßen noch heute als Oldtimer bewundern können. 1963 kam ein H3A dazu.

Die auf „Kohlenkarte" zugeteilte brennbare Ware und „Sommerpreis" waren viele Jahre eingeengter Begleitumstand, welcher einer Unternehmensentwicklung hemmend zur Seite stand. Mittlerweile fast unvorstellbar - jede Kohle musste mit der Kohlengabel auf dem Köckritzschen Hof umgeladen werden, nach dem sie aus einem Reichsbahnwaggon (DR) ebenso ausgeladen wurde. Dazu noch pro Familie 1m² Brennholz, den Gerhard und Frau Dora gemeinsam mit den über dreußig Jahre angestellten Günter Hommel und Dieter Schiffner gesägt, aufgeladen und „breit gefahren" haben.

Modernisierung stand auch in DDR-Zeiten immer im Vordergrund. Also wurde der Eigenbau-Fuhrpark nach und nach durch Basteln, Bauen, Warten und Lernen erweitert. Ob es ein LKW mit Kippvorrichtung oder das Auffrischen zweier S 4000 in den siebziger Jahren waren, es ging immer um die vertrauensvolle Kundenbetreuung und ein erleichtertes Arbeiten. Da die Kfz-baupraktischen Erfahrungen wuchsen, wurde 1980 ein dritter S 4000 gewerbetreu aufgebaut und in den Dienst gestellt.

So geschrieben, lässt sich fast von einer „in die Wiege gelegten" Firmenübernahme durch Veit Köckritz im Jahre 1988 lesen. Doch es war DDR-Zustand und nur mit größter Mühe und Aufwand konnten notwendigste Verbesserungen erreicht werden. Ein schwerer Start für Veit. Er hatte seine Mutter Dora und seine Schwester Ingrid als

Dora, Gerhard, Veit Köckritz und Spitz Peter vor einem beladenen Kohletransport im Jahr 1964

ständige Helfer und Stützen an seiner Seite, denn sie kümmerten sich um die Buchführung, Finanzen und die Kundenbetreuung. Dadurch war es auch möglich die jähen Veränderungen Anfang der Neunziger gemeinsam in Angriff zu nehmen und vor allem auch zu bewältigen. Ein neues Produktangebot stellte hohe Forderungen. Waren es bisher Kohle, Holz und Transporte allgemeiner Art für Bekannte, so kamen nun die Erweiterungen des Tätigkeitsfeldes auf Heizöl und Diesel dazu. Alles ungewohnt, alles anders - neue, branchengerechte Fahrzeuge, neue Beschaffungs- und Vertreibsart, marktwirtschaftlicher Wettbewerb und Veit mit der Firma „hineingeworfen".

Ein neuer Tanklastzug in den Neunzigern

Sie packten es durch gemeinsame, gründliche, taktische Überlegungen und immer mit nicht geringem privatem Risiko. Über Zeitaufwand will sowieso keiner ein Wort verlieren. Die Erweiterung des Fuhrparkes zu einer hochmodernen, leistungsstarken Betriebsgröße, die Erhaltung der Kohleversorgung, Transporte für Privatkunden mit kniffligen Forderungen und auch die Dieseltankmöglichkeit für alle zeigen, die Firma kämpft auch im 21. Jahrhundert, im siebzigsten Jahr ihres Bestehens, um den guten und verlässlichen Namen:

Brennstoff- und Mineralölhandel Veit Köckritz e.K.

Wir gratulieren und wünschen weiterhin viel Erfolg und sagen auch Danke für bestehende und wahrende Tradition durch alle Firmenangehörigen und ehemaligen Mitarbeiter.

Anmerkung: Am 24. August 2002 wird zum Tag der offenen Tür der Blick in die Geschichte der Firma Köckritz anschaulich im Firmengelände am Schulplatz zu sehen sein. Siebzig Jahre in Bildern und zum Anfassen.

10:00 Uhr öffnen sich die Tore nicht nur für Fachleute, sondern alle dürfen einmal schauen. B. Sch.