Handwerk - Handel

Handwerk und Handel in Königsbrück

13. - 14. Jahrhundert

Mit der Anlage der Burg als Grenz- und Zollstelle wird die Errichtung einer Dienstsiedlung erforderlich.
Bereits in der Gründungsurkunde des Klosters Marienstern von 1248 befindet sich unter den Zeugen ein merkatores (Kaufmann) Conradus de Ponte. Zur Versorgung der Burgbesatzung und der durchziehenden Handelswagen und Kaufleute war die Ansiedlung der verschiedensten Berufe erforderlich.
Neben Bäcker, Fleischer und Gastwirt waren vor allem Schmied, Stellmacher und Sattler zur Erledigung von Reparaturen unerlässlich.
Als besondere Begnadigung wurden Märkte verliehenen.

Bei der weiteren Entwicklung der Dienstsiedlung zu einem städtischen Gemeinwesen kamen weitere Handwerke und Gewerbe hinzu, die vor allen Dingen der Eigenversorgung der ansässigen Bevölkerung und der umliegenden Dörfer dienten.
Mit dem Erwerb des Schlosses durch Hans von Dohna und dem Zukauf weiterer Dörfer bildete sich die Herrschaft Königsbrück heraus. Die Stadt wird Verwaltungsmittelpunkt und Zentrum des Austausches von Gütern der Stadt und der umliegenden Dörfer in Form eines Nahmarktes.
Durch die Erbuntertänigkeit der Stadt bedingt wurde im Laufe der Jahrhunderte das Marktrecht von den jeweiligen Besitzer der Herrschaft immer wieder neu verliehen.

Schriftlich überliefert sind:
4 Jahrmärkte jährlich
· Januar - Wintermarkt
· Pfingsten - Markt
· August - Erntemarkt
· Oktober - Kirmesmarkt
1806 4 Jahrmärkte - 4 Viehmärakte
1848 wird ein Wochenmarkt eingeführt auf dem 100 Scheffel Getreide, außerdem Butter, Gänse und Hühner Absatz fanden
1871 3 Krammärkte und 6 Viehmärkte und Wochenmärkte
1899 Roßmarkt, der 1925 1 - 2 mal genannt wird -

Urkunde von 1490 von König Wladislaus von Böhmen, Prag, Sonntag des heiligen Pfingsttages

In dieser Urkunde, erwirkt Hans v. Dohna das Recht einen "newen Jahrmarkt Sonntags von Bartholomai zu halten und zu gutten enthalt der kaufleute, die daselbst
(zwischen Kamenz und Großenhain) hyn und für cziehn und umb besserung der wege, die solichen kauffleuten und mennigklichen zu gutte gescheen",
und von jedem Rind, das auf dem Jahrmarkt getrieben wird, daselbst gekauft oder verkauft werde, sowie von jedem Rind an den gewöhnlichen Wochenmärkten eine Pfennig, von jedem beladenen Wagen, der zu dem Jahrmarkt fahre, zwei Pfennige Zoll zu erheben.

Innungen

Die in der Stadt ansässigen Handwerker schlossen sich zu Innungen zusammen. Rechte und Pflichten wurden von der Herrschaft verbrieft und beim Wechsel der Besitzer neu bestätigt.

Urkundlich nachweisbare Erstbenennungen:

1509 Bäckerinnung
1541 Schmiede und Schlosser
1566 Schuhmacher (Erneuerung des Innungsbriefes
1581 Leineweber, Tuchmacher, Fleischer, Schmiede und Schlosser
1605 Töpfer
1669 Barettmacher
1670 Schneider
1671 Wagner, Seiler, Glaser, Büttner/Böttcher
1684 Tischler
1729 Pfeifenmacher
1800 Maurer, Zimmerleute
1668 Apotheken - Privilegium

1750 werden in Königsbrück folgende 52 Gewerbe und Berufe angegeben:

1 Apotheker, 1 Bader und Barbier, 1 Bade-Mutter, 4 Bäcker, Pachtbleicher, 1 Brauer,
1 Buchbinder¸1 Büttner oder Böttcher, 3 Branntwein-Brenner, 2 Zeug- und Kattun-Händler,
2 Kramer¸2 Drechsler, 1 Eisenhändler, 2 Färber, 3 Fleischhauer, Fleischer, so ohne Lohn schlachten, 1 Fuhrmann, 3 Gastwirte, 3 Gerber, Glaser, 1 Hand-Grütz-Müller, 1 Hutmacher, 6 Kürschner¸1 Leder-Händler, 2 Leineweber so verschneiden, 3 Leinweberstühle, Maurer,
2 Nadler, 1 Nagelschmied, 1 Perückenmacher,4 Pfeifenmacher Posamentierer, 1 Ratsdiener, 1 Riemer, 1 Salzhändler¸2 Sattler, Schlosser¸1 Schmied, 7 Schneider,10 Schuhmacher,
7 Flick-Schuster, 2 Seifensieder, 3 Seiler, 1Stadtschreiber, 7 Stricker, 1 Tabaks-Händler.
2 Tischler, 4 Töpfer,2 Viehhändler, 2 Wagner, 1 Wein-Schenke, Zimmermeister.

1770 werden folgende Handwerke und Berufe verzeichnet:

1 Apotheker, 1 Bader und Barbier, 2 Bademuttern, 5 Bäcker, Beutler, 8 Branntwein - Brenner,, 1 Brauer, 2 Brauknechte, 2 Böttcher, 3 Katun- oder Zeughändler. 9 Krämer,
5 Fleischer, 1 Fuhrmann, 2 Gerber, 1 Glaser,3 Höcker, 1 Hutmacher und Hutmachrin,
1 Koch und Garkoch,4 Kürschner, 3 Leinweber so verschneiden, Leinweber-Stühle,
1 Maurermeister, 1 Musikant, 1 Nachtwächter,2 Nadler, 1 Nagelschmied, Pfeifenmacher,
1 Posamentier, 2 Riemer, 3 Sattler, 3 Schlosser, 2 Schmiede 4 Schneider, 4 Flickenschneider, 11 Schuster, 6 flickschuster, 1 Seifensieder, Seiler, 10 Strumpfstricker, 4 Tischler, 6 Töpfer, 1 Wagner, 9 Winzer, Zimmermeister,1 Zinngießer.

Nach der Bevölkerungsliste der Landstadt Königsbrück von 1840 hatte die Stadt 1590 Einwohner, davon 779 männliche und 811 weibliche Personen. Die Anzahl der bewohnten Gebäude betrug 219
Davon waren auf der sogenannten Weißbacher Lehnsflur Grundstücksbesitzer und Tagelöhner mit 1 Mühlenbesitzer (Schloßmühle) und 1 Schenkwirt (in der Villa des Kunathsberges), mit gesamt 20 männlichen und 21 weiblichen Personen. Die Meißner Lehnsflur hatte Grundstücksbesitzer und Tagelöhner und 1 Schneider.
Unter den Personen befanden sich
2 Geistliche, 1 Advokat, 1 Königsl. Postmeister, 1 Postsekretär, Ärzte, 1 Apothekter,
1 Apothekenlehrling, 6 Kaufleute, 2 Schnittwarenhändler, Handlunsgehilfen,
1 Handlungslehrling 6 Privatkopisten, 1 Königsl.Steuer-Einnehmer, Steueraufseher, 1Steuer-Accessist ,1 Gendarm, 1 Polizeidiener, Private, 1 Kirchner, 1 Stadtmusikus, 2 Musikgehilfen 1 Musiklehrling, Postschaffner, 1 Postbote 1 Kunstgärtner, 1 Gärtnerlehrling 1 Barbier,
12 Hebammen 1 Uhrmacher, 6 Gast- und Schenkwirte, 1 Leichenfrau, Totengräber und Nachtwächter, 4 Geodäten, 5 Ökonomen, 65 Schuhmachermeister¸ 18 Schuhmachergesellen, 8 Schuhmacherlehrlinge, 17 Töpfermeister, 27 Töpfergesellen, 8 Töpferlehrlinge,
14 Strickermeister (Strumpfwirker), 2 Strickergesellen¸ Strickerlehrlinge,
11 Schneidermeister, 4 Schneidergesellen, 3 Schneiderlehrlinge, 11 Tischlermeister,
3 Tischlergesellen, 4 Tischlerlehrlinge, 10 Weiß- und Lohgerber, Weiß- und Lohgerbergesellen, 2 Weiß- und Lohgerberlehrlinge, Fleischermeister, 4 Fleischergesellen,
7 Bäckermeister, 3 Bäckergesellen, 4 Wagnermeister¸ 2 Wagnergesellen
4 Seifensiedermeister¸ 1 Seifensiedergeselle., 4 Beutlermeister¸ Beutlergeselle,
4 Nagelschmiedemeister, 1 Nagelschmiedelehrling, 4 Böttchermeister, Böttcherlehrlinge,
4 Drechslermeister, 2 Drechslergesellen¸ 2 Drechslerlehrlinge Schlossermeister,
2 Schlossergesellen, 3 Sattlermeister, 2 Sattlergesellen, Maurermeister, 3 Maurergesellen,
3 Seilermeister, 2 Seilergesellen, 1 Seilerlehrling, 4 Lohnfurhleute, Glasermeister
1 Glasergeselle, 2 Zimmermeister¸ 5 Zimmergesellen, 2 Nadler, Färbermeister,
1 Färbergeselle, 5 Leinwebermeister, 2 Leinwebergesellen Hutmachermeister, 2 Huf- und Waffenschmiedemeister, 2 Schmiedegesellen, 2 Braumeister, 1 Posamentier, 1 Schornsteinfeger, Schornsteinfegergeselle, 1 Schornsteinfegerlehrling, 1 Klempnermeister,
1 Klempnerlehrling, 1 Buchbindermeister, 1 Ziegeldecker, Ziegeldeckergehilfen, 1 Gürtlermeister, 1 Riemermeister, Tuchmachermeister¸ 11 Näherinnen 3 Putzmacherinnen,
61 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen, 50 männliche und weibliche Dienstboten, 1 Trödler,
1 Bilderhändler, außerdem ein beurlaubter Soldat

Aus den Innungs-Artikeln der Töpfer von 1605

Die Weiber sollen sich nicht auff dem marckte, so sie feil haben, scheltten, bey straff 12 arg oder 3 tage gefangnus
arg = 24 Silbergroschen auf den Taler
Innungsartikel für die Töpferinnung zu Königsbrück v. 9.Dezember 1840
§ 18
Diejenigen Meister oder deren Angehörige, welche auf Märkten anderen hiesigen Innungsverwandten, Käufer durch Zurufen abloßen und an sich zu ziehen suchen, sollen mit Buße von 1 Thaler angesehen werden, welcher zur Lade kommt.
Herrschaft Königsbrück

1746 Königsbrück als Herrschaftszentrum

Nach dem Zerfall der großen Herrschaft Kamenz entwickelte sich im Westteil ihres ehemaligen Territoriums die neue Herrschaft Königsbrück. Sie umfaßte zeitweilig über 20 Dörfer, die, wie die Stadt selbst, den jeweiligen Besitzergeschlecht erbuntertänig, also nicht selbbständig waren.

Wir Endesunterschriebene, der Zeit verordente Oberältesten und Beysitzer und andere Meister der Böttcher-Innung in der Stadt Königsbrück der Königlich Sächsischen Oberlausitz, bescheinigen hiermit, daß Vorzeiger dieses, Carl August Zeibig aus Hermsdorf gebürtig, nach Vorlegung seiner Legitimationen, welche durchgehends richtig befunden worden waren , zum Meisterstücke, als wirklicher und Stückmeister zugelassen worden ist. Nach Fertigung dieses Meisterstücks welches durchgehends brauchbar und richtig befunden ist; ist derselbe vor offener Lade und versammelter Innung auf- und angenommen und zum Meister am 11. Februar 1820 unter Anwünschung zu seinem ferneren glücklichen Fortkommen gesprochen worden.
Seit abbewegten Zeitraume hat sich nun unser Mitmeister allhier befunden ,Gesellen gehalten, mehrere Lehrlinge zu unserer Zufriedenheit gelernt und lossprechen laßen und überhaupt sich in Innungs-Angelegenheiten sich gegern uns so verhalten, daß wir uns bis dato gegen selben nicht Beschwerdeführend oder sonst gesetzlich erachtet berechtiget sind, sondern ihm vielmehr bey hier nicht genüglicher Arbeit im hiesigen Orte, anderwärts alles Glück und Segen wünschen.
Demnach ersuchen wir Alle und Jede insonderheit aber unsere Handwerksgenoßen, nicht nur diesen unsern offenen Meister - Briefe Glauben beizumessen, sondern auch unseren mehrerwähnten Mitmeister Carl August Zeibig, welcher sich aus Mangel an Arbeit von hier wegwenden will, geneigten Willen und Aufnahme angedeihen zu laßen.
Zu Urkund alles deßen haben wir nicht unterlaßen wollen unter den gewöhnlichen Unterschriften und Beydruckung des Innungs-Siegels zu bescheinigen.

Königsbrückden Neunten Januar 1837,Eintausend AchthundertSiebenundDreißig

Die Böttcher-Innung allda
Paul Friedrich Bunatz
Beysitzer

Handel und Gewerbe um 1900

Über Jahrhunderte ist die Bevölkerung der Stadt annähernd gleich geblieben. Frühe Versuche der Standesherrschaft hier Industrie anzusiedeln scheiterten . Die im Lande im Gange befindliche Industrialisierung weckte Hoffnung auf Besserung der Arbeits- und Lebenslage. Elektrizität und Transportmöglichkeiten mit der Eisenbahn waren Voraussetzung dafür.
Die Töpfer nutzten als Erste neue technische Möglichkeiten und bauten 1874 das Tonzurichtewerk mit Dampfbetrieb an der Kamenzer Straße. Sie förderten auch mit finanziellen Mitteln den Bau der Eisenbahnlinie nach Dresden, die 1884 in Betrieb ging. Auf dem Gelände des ehemaligen herrschaftlichen Jägerhofes entstand 1881 ein von der Firma Eckert errichteter Emaillierbetrieb. Er ging schon 1885 in die Hände der Gebrüder Reuter über. Sie saßen im Stadtrat und waren bemüht, keine weitere Industrie aufkommen zu lassen. Trotzdem war dieser Betrieb für Königsbrück ein Gewinn, denn um 1910 fanden dort schon über 300 Menschen Arbeit und Brot. Für die überzähligen Töpfergesellen gab es 1887 durch die Gründung einer Chamotte-Ofenfabrik zwischen Mühl- und Gartenstraße neue Verdienstmöglichkeiten. Sie vergrößerten sich 1912 mit dem Bau der Keramischen Werke im Erlicht weiterhin.
Immerhin hatte die Stadt 1885 noch 21 Töpfereien mit 49 Brennöfen. Als Handwerksbetriebe lieferten sie ihre Waren bis nach Frankreich, Belgien, Holland und Rußland. Auch die Schuhmacher zählten noch 40 Werkstätten. Sie fertigten vor allem Pantoffeln an und verkauften sie auf den Märkten der weiteren Umgebung

Weitere Verbesserungen brachte 1894 der Bau eines Elektrizitätswerkes auf dem Badweg. Durch die Anlage des Imfanterie-Schießplatzes in Glauschnitz und dem Bau des Alten Lagers begann für die Stadt eine neue Epoche. Bald folgte der Bau der Kaserne mit Lazarett, Proviantamt und Wasserwerk. Königsbrück wurde Garnisonstadt.. Als 1895 die ersten Sodaten ständiges Quartier nahmen ,fing die Stadt an aufzublühen. Bäcker und Fleischer belieferten die Kasernen und weitere Gaststätten und Geschäfte entstanden. Die 1882 gegründete Druckerei Pabst bringt die Westlausitzer Zeitung und viele andere Druckerzeugnisse heraus. Schließlich finden in den um die Stadt liegenden Granitsteinbrüchen viele Männer Arbeit. Dazu kamen noch -Steinmetzen aus Bayern die hier Arbeit fanden. Das hier ausgelegte Verzeichnis der Geschäfts- und Gewerbebetriebe gibt Aufschluß über die Vielfalt der Arbeitsmöglichkeiten und läßt daraus schließen, daß die hier lebenden Menschen ihr Auskommen fanden.

Irene Kubasch, Projekt Ausstellung Stadtgeschichte 1998