Das Epitaph des Maximilian von Schellendorff - ein hervorragendes Beispiel sächsische Bildhauerkunst in unserer Region

EpitaphIn der deutschen Kunst sind seit dem 14. Jahrhundert Epitaphe als Erinnerungs- und Gedächtnismale an einen Verstorbenen bekannt.

Sie setzen die Tradition des mittelalterlichen Andachtsbildes fort. Im 16. Jahrhundert wurde in gewissem Sinne ein Höhepunkt an Qualität und Quantität erreicht.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die Sitte aufhörte, Verstorbene in den Kirchräumen zu bestatten, nahm diese Entwicklung ihr Ende. Dies besagt nicht, daß die Errichtung von Epitaphen an die unmittelbare Nachbarschaft eines Grabes gebunden war.

Die Auftragsgeber dieser Monumente waren meist adlige Familien, die zugleich das Patronatsrecht innehatten.
So auch in diesen speziellen Fall, als von 1579 bis 1726 das Geschlecht der Schellendorffs oberster Kirchenherr und Besitzer der Herrschaft Königsbrück war.

Mit dem Tode Maximilians von Schellendorff am 31. März 1703 war defacto das Geschlecht der Schellendorffs erloschen, da die Ehe mit Margaretha Freifrau von Schellendorff, geborene Friesen, kinderlos geblieben war.

Diesem tragischen Umstand entspricht das gesamte ikonographische Programm des um 1705 errichteten, etwa 3 m breiten und 4 m hohen, vergoldeten Holzepitaphs.

Es war um 1700 allgemein üblich, bestimmte Vorgänge im Leben des Verstorbenen allegorisch darzustellen und diese Themen durch Putten, Engel und ornamentale Details zu ergänzen. Im Sinne der Kunstauffassung des 18. Jahrhunderts wurden hier Themen der griechischen Mythologie verwendet.

Epitaph Frau rechtsDas Zentrum des Epitaphs wird vom Schellendorffschen Epitaph WappenHauswappen gebildet, darunter befindet sich ein Inschrifttuch, das von der Figur des geflügelten Greises (Chronos) – Symbol für die Vergänglichkeit der Zeit – aufgerollt wird.
Ein Skelett (Tod) versucht, dieses in den Abgrund des Vergessens zu reißen.
Dabei greift es mit der Linken nach dem entwurzelten Baum – Symbol für das Erlöschen des Adelgeschlechts.

Dem Betrachter zeigt sich links vom Wappen eine den Baum des Lebens umfassende Frauengestalt – Symbol für die Erde mit den Attributen Sichel und Füllhorn.

Die rechte Hand hält einen Reif mit dem Tierkreiszeichen des Verstorbenen.
Ein Engel reicht ihr die Krone des Lebens herab.Epitaph FrauRechts wird das Epitaph von einer weiteren Frauengestalt (Athene) – Symbol für die Ritterlich und Wehrhaftigkeit – begrenzt.

Das Kunstwerk ist an der Nordwand des Saales oberhalb der Empore angebracht. Es hat eine raumprägende Bedeutung für den sonst schlicht gestalteten Kirchenraum.

Bis 1891 befand sich das Epitaph oberhalb der Patronatsloge.
Nach der Kirchenrenovierung erhielt es seinen heutigen Standort. 1910 wurde es auf Kosten des Sächsischen Altertumsvereins restauriert.

Die meisterhaft gestaltete Bewegtheit und eindrucksvolle Monumentalität lassen nach einer eingehenden Untersuchung durch Experten den Schluß zu, daß es sich bei diesem Epitaph um ein Frühwerk des Dresdner Hofbildhauers Paul Heermann, eines Zeitgenossen Balthasar Permosers, handelt.

Paul Heermann wurde am 22. Oktober 1673 in Weigmannsdorf geboren.
Mit 12 Jahren begann er bei seinem Onkel, dem Bildhauer George Herrmann, die Lehre.
Ab 1685 wirkten beide in Troja bei Prag.
Um 1700 befand sich Paul Heermann auf der Wanderschaft durch Italien.
In dieser Zeit wurde er wesentlich von den antiken Kunstwerken beeinflußt.

Epitaph PlatzSeit 1705 ist Paul Heermann in Dresden nachweisbar.
Er arbeitete an verschiedenen Zwingerplastiken und schuf sein bekanntes Parisurteil vom Wallpavillon.
Neben vielen anderen Aufträgen, u. a. in Leipzig, beschäftigte sich P. Heermann in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts verstärkt mit der Pflege antiker Bildwerke im Geiste der hellenistischen Antike.
Die Marmorbüsten, die er im Auftrag des Kurfürsten schuf, verraten daß Heermann genau wie Permoser die verschiedenen bildhauerischen Materialien souverän beherrschte.

Wahrscheinlich wurde ihm nach Permosers Tod am 22. Februar 1732 der Titel eines Hofbildhauers verliehen.

Am 22 Juli 1732 verstarb Paul Heermann in Dresden.
Damit ruhten die Hände eines führenden Vertreter der Bildhauerkunst des augusteischen Zeitalters für immer – eine Schule, die Anfang des 18. Jahrhunderts die bedeutendste in Deutschland war.

zusammengetragen von Herrn Jörg Klotzsche 2002