Amtsgericht Königsbrück

Amtsgericht Königsbrück um 1915
Amtsgericht Königsbrück um 1915

Bei der im Jahre 1850 erfolgten Reorganisation der Untergerichte wurde Königsbrück, nachdem die Stadtgemeinde die unentgeltliche Abtretung der drei Baustellen für das Amtsgebäude und die Gewährung einer baren Beihilfe von 3000 M zum Bau des Amtshauses bewilligte, zum Sitz einer Justizbehörde erwählt. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand hier vom 26.5.1848 ab eine Gerichtsexpedition des Justizamtes Kamenz.
Das neue Amtshaus auf der Südseite des Marktplatzes mit seinen sieben Fenstern Front, enthielt im Erdgeschoß das Archiv, den Hausflur und drei Wohnräume für den Wachtmeister, im Obergeschoß vier Geschäftsräume und 1 Warteraum, im Dachgeschoß sieben Arrestzellen und einige Kammern.

Am 23. Februar 1853 wurde mit der Einrichtung begonnen.
Die Eröffnung erfolgte als königliches Gericht am 6. Juli 1853 durch Justizmann Friedrich Theophil Hensel.

Nach 1856 erfolgte in Sachsen die Umgestaltung des Bürgerlichen Rechtes und zusammengefasst in dem Bürgerl. Gesetzbuch für das Königreich Sachsen. Ab 1. März 1865 trat dieses Gesetz in Kraft.

Ab 1. Juli 1856 erfolgte die Umbenennung in Gerichtsamt. Dieser Behörde wurde die gesamte Zivil-, Straf- und Verwaltungsrechtspflege sowie die Geschäfte der freiwilligen Gerichtsbarkeit übertragen.

1862 kaufte der Staat das Haus daneben, früher Gasthof zum Schwan, um darin Beamtenwohnungen einzurichten. Im Erdgeschoß dieses Hausen wurden anfangs gepfändete Sachen versteigert.

Am 15. Oktober 1864 ist das neue Gerichtsamt eingeweiht worden. Die Einweihungsrede sprach Amtmann Hartung.

1870 an Stelle des Rendanten im königl. Gerichtsamte wurde von Oberwiesenthal Armin Ermel hierher versetzt. Er ist gebürtiger Königsbrücker und Sohn eines hier verstorbenen Arztes.

1871 im April wurde der bisherige Assessor Peschke als Gerichtsamtsmann nach Makranstadt befördert. An seiner Stelle kam Hilfsreferendar Karl Julius Zeisig.

Am 18. Jan. 1871 entstand das Deutsche Reich, mit Inkrafttreten einheitlicher deutscher zivil- und Strafprozeßordnungen und Gerichtsverfassungsgesetzen entstanden auch in Sachsen neue Behördenformen wie Amtsgericht, Landgericht und Oberlandesgericht.

1874 ab 2. Februar wurde für den seit 1869 hier als Gerichtsamtsmann tätigen Hermann Müller, der Gerichtsamtsmann Meusel eingesetzt.

1874 am 3. Juni wurde in hiesigem Gerichtsamte die erste Civilehe (Schleifer Pietschmann) geschlossen.

1874 ab 1. Juli trennte sich die Verwaltung von der Jusitiz und die Gerichtsämter wurden ausschließlich Justizbehörden. Es bildeten sich Amtshauptmannschaften, diese bearbeiteten die von den Gerichtsämtern bis dahin besorgten Kirchen-, Schul-, Gemeinde-, Militär-, Polizei und Gewerbesachen.

1879 wurden ein Saal für die öffentlichen Gerichtsverhandlungen und ein Beratungszimmer eingerichtet.

1879 ab dem 1. Oktober erfolgte die Umbenennung in Amtsgericht Königsbrück.

1881 umfaßte der Amtsgerichtsbezirk neben der Stadt Königsbrück 26 Dörfer, mit einer Gesamtseelenzahl von 8.935 (Volkszählung von 1880) und eine Fläche von 244,92 km².

Als Vorstände der Justizbehörde werden genannt:
Hartung bis Aug. 1869
Müller, Hermann 1.10.1869-31.1.1874
Meusel, Franz Paul 1.2.1874-30.6.1877
Müller 1.7.1877-8.8.1877
Leißring, Constantin 1.12.1877-1.8.1879
Sommerlatte, Carl Gottfried 1.10. 1881

1884 sind an Behörden und stattlichen Geschäftsstellen zu verzeichnen: (Auswahl)
Behörden bzw. Geschäftsstellen Vorstand bzw. Beamter Sitz seit
Königliches Amtsgericht Carl Sommerlatte 1883
1 Friedensrichter G. Louis Hänßel 1874
1 Gendarmeriestation Gustaf Hahn 1834

1891-1907 ist Amtsjustizrat Gaudich Vorsteher des hiesigen königl. Amgerichtes

1903 Gerichtsassessor Buchner wird zum Amtsrichter beim Amtsgericht ernannt - Gerichtsassessor ist Herr Poppe bis 1905

1904 ab 1. April wird Amtsrichter Sächling Leiter des Amtsgerichtes

1905 am 1. Juni Gerichtsassessor Fuhrmann eingesetzt (für Poppe)

1907 5. April Brand im Amtsgerichtsgebäude

1911 5. März Brand im Amtsgerichtsgebäude

1926 Amtsvorsteher des Amtsgericht wird Amtsgerichtsrat Rafeld, Ortsrichter ist der Kaufmann Hugo Uhlig und Friedensrichter ist Justizmann i.R. Hermann Woblick

1928 Gefängnisleiter Albrecht wird Gefangenenhauptwachtmeister

1932 stirbt Jusitzamtsmann Hübschmann

1932 Amtsgerichtsrat wird Herr Ranft

1934 Einzug von Amtsgerichtsrat Dr. Richter

1935 Gefängnisleiter wird Herr Berger

1939 am 25.9. wird das Gerichtsgefängnis in Königsbrück geschlossen, zuständig ist nun das Untersuchungsgefängnis Dresden

Mitte oder Ende der 30er Jahre letzten Jahrhunderts müssen bauliche Veränderungen im Gebäude stattgefunden haben. So wurde das Tor durch 2 Fenster ersetzt und die Arrestzellen im Dachgeschoß erhielten große Fenster.

Nov 1945 das Gerichtsgebäude wird kurzzeitig von der Besatzungsmacht belegt

1951 im Juni erfolgte Auflösung des Amtsgerichts Königsbrück

1954 ab 1. Februar wurde von Rat der Stadt Königsbrück das Grundstück Karl Marx Platz 13 mit Garten zur Benutzung an die Kreiskommandantur übergeben

1990 wird die Außenfassade der Kommandantur rekonstruiert

1991 erfolgte die Räumung der Kommandantur durch die Westgruppe der Sowjet. Streitkräfte.

ehemaliges Amtsgericht Königsbrück
ehemaliges Amtsgericht Königsbrück

1997 ab 13. Januar ist das Einwohnermeldeamt in dem neugestalteten Gebäude des ehemaligen Amtsgerichtes untergebracht. Ebenso das Standesamt (18. Januar) und der Polizeiposten (27. Mai)

1997 am 03. Februar erfolgte die Neueröffnung der „Sparkasse Westlausitz" in dem Gebäude Markt 13 (Kommandantur, Gerichtsamt)

Stadtarchiv Königsbrück, zusammengetragen 2011